Potentielle Vergewaltiger

Es scheint echt nicht leicht für die Grünen zu sein, seitdem die blöde Reaktorkatastrophe von Fukushima sie um ihr großes politisches Thema gebracht hat. Seitdem selbst die CDU die Atomreaktoren schneller abschalten will, als es sich die Grünen je zu trauen gewagt hätten, suchen sie krampfhaft nach einem Thema, welches sie für Wähler interessant machen könnte.

Als potentielle »Wir sind die Toleranten«-Partei scheint das Thema #Köln sie nun vollkommen zu überfordern. Es scheint ihnen da ähnlich zu gehen wie ›The Incredible Feminist Woman‹ in ihrem aktuellen Comic ›The Rape of Cologne‹.

The Incredible Feminist Woman

Ist aber auch schwer, so etwas Differenziertes zu sagen, wie »Natürlich muss jeder die Konsequenz des Rechtsstaates spüren, der glaubt, Frauen sind Freiwild, und man könne sie einfach so auf unseren Straßen sexuell bedrängen, in Angst und Panik versetzen oder gar vergewaltigen. Egal ob woher er kommt. Aber wir sollten uns jetzt nicht dazu verleiten lassen, von diesem Pöbel von Köln und Hamburg auf alle zu uns gekommenen Flüchtlinge zu schließen. Selbst wenn alle von ihnen Flüchtlinge wären, die letztes Jahr zu uns gekommen sind, ist dieser Mobs, im Verhältnis zu den 1.1 Millionen Menschen die über unsere Grenzen gekommen sind, um Krieg und Verfolgung zu entgehen, enicht geeignet um daraus eine Pauschalverurteilung aller Flüchtige, Moslems oder gar Männer abzuleiten.«

Ist eigentlich gar nicht schwer, aber »wer weiß?« dachten sich die Verantwortlichen wohl, »das könnte ja rassistisch bei dem einen oder anderen unserer Wähler*Innen ankommen, wenn man sich entgesteht, dass dieser Pulk Idioten, der dort in Köln Sitte und Anstand vergessen hat, wohl schwerpunktmäßig aus ausländischen Männern bestand.«

Zum Glück haben einige Feministinnen goldene Vorlagen geliefert, wie man wieder das richtige Feindbild pflegt. Schließlich hatten die schon in der Vergangenheit diesen Vollhonk, den man für alles verantwortlich machen kann: DEN MANN.

Margarete Stokowski bagatellisiert auf Spiegel Online einfach: »Es hätte eine Debatte über sexualisierte Gewalt nach jedem verdammten Oktoberfest, nach jedem Karneval und jeder WM-Fanmeile geben können.« (Auch wenn die Polizei von München nicht weiß, wann es jemals auf einem Oktoberfest unter den 6 Millionen Besuchern zu einer so geballten Zahl von Übergriffen, wie nach diesem Silvestermorgen in Köln kam). Anne Wizorek findet noch einen besseren Weg, um die Opfer von Köln ein zweites Mal zu mißbrauchen, indem sie diese Frauen auf eine Stufe mit ihrem Kunstprojekt #Aufschrei stellt und so die Frauen, die den Silvesterabend als »Ich hatte fremde Finger in allen Körperöffnungen« mit den »Mama, er hat auf meinen Hintern geschaut«-Tweets in einen Topf wirft. Ein paar Beispiele?

oder

oder

Zugegeben der letzte Tweet ist schon verdammt dicht an den Beschreibungen von Köln, aber er stammt auch aus der Sammlung mit der Leon Weidauer, die beweisen soll, dass es bei Aufschrei durchaus nicht nur um »sexistische Witze und Sprüche gegangen« ist, mit denen nebenbei bemerkt auch fast jeder Mann in seinem Leben lernen muß souverän umzugehen. Vermutlich sind die #Aufschrei-Tweets auf #Köln-Niveau in der Nabelschau des Selbstmitleids einfach untergegangen.

Irgendwie scheint es angenehmer zu sein, pauschal alle Männer zu potentiellen Vergewaltigern zu erklären, als hier mal zu differenzieren.

Claudia Roth legte die Haltung der Grünen in der Welt schon mal vor:

»Es gibt auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen.«

Eine empörte Bürgerin schreibt ihr daraufhin:

»Sehr geehrte Frau Roth, Sie sind der Meinung, dass die stattgefundenen gewalttätigen Übergriffe gegenüber Frauen ein ›Männerproblem‹ sind«, heißt es in der Nachricht. »Ihre diskriminierende und beleidigende Äußerung ist rassistisch und ehrverletzend. Eine derartige Verallgemeinerung würden Sie im umgekehrten Fall niemals akzeptieren. Sie stellen damit ALLE Männer unter GENERALVERDACHT! Die vielen jungen Männer, die ich kenne würden es NIEMALS wagen einer Frau zu nahe zu treten, unabhängig davon in welch persönlich schwieriger Lage sich der eine oder andere auch befinden möge.«

Die Mail landet irrtümlich bei den Hamburger Grünen, woraufhin Hamburgs Grünen-Vize Michael Gwosdz im Namen der Hamburger Grünen antwortete:

»Als Mann weiß ich, jeder noch so gut erzogene und tolerante Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger. Auch Ich«

Zugegeben, die Aussage ist fast so brillant wie dämlich.

Sie ist wie der Werbeslogan von TK Maxx: »Alles bis zu 60% Reduziert«. Prinzipiell zu mindestens. Im Endeffekt besagt dieser Slogan nur, dass TK Maxx einen Artikel mit 60% Rabatt anbieten müssen. Auf die restlichen 25.000 Artikel brauchen die nur 1% Rabat geben und kein Wettbewerbshüter kann denen was.

Ähnlich verhält es sich bei Michael Gwosdz Zitat. Jeder Mann braucht nur einen Penis UND dIE Kraft, um irgendein penetrierbares Wesen zu überwältigen (also Stephen Hawkins und ähnliche durch ihre Physis zu letzterem nicht in der Lage befindlichen Penisträger fallen mal heraus), und schon ist er potentiell in der Lage Vergewaltiger zu werden.

Und mehr sagt das kleine Wort „potenziell“ nicht aus. Der Duden definiert es so:

möglich (im Gegensatz zu wirklich), denkbar; der Anlage, Möglichkeit nach [vorhanden]; vielleicht zukünftig

Unwahr ist der Satz nicht, aber man stelle sich mal stelle sich vor, wie ein potentielles Wahlplakat der Grünen für die nächste Bürgerschaftswahl aussehen könnte, wenn sie ehrlich währen.

vergewaltiger-1

Wenn wir künftig nur noch darüber diskutieren würde, was der Anlage nach möglich wäre würde jede Diskussionen im Keim zu ersticken.

Frau Schwesig jammert schon wieder, an irgendeinem »Frauen geht es schlecht«- Gedenktag: »Frauen verdienen weniger Geld als Männer«?

»Potenziell könnten Frauen das doppelte von Männern verdienen, Frau Schwesig.« (Sie ist ja der lebende beweis, dass nicht jede Frau sich mit dem Gehalt einer Kindergärtnerin zufrieden geben muss. Zu mindestens Potentiell.

Frauen leiden unter sexueller Belästigung am Arbeitsplatz? »Potenziell müssten sie das nicht. Mit einem dickeren Fell oder einer Nahkampfausbildung wäre das kein Problem. potentiell könnten sie das Problem also beseitigen«

Frauenquote? Wieso. »Jede Frau kann potentiell Vorstandsmitglied eines DAX-Konzernes werden, auch ohne Quote. Viele Frauen zeigen dass sie es in die Unternehmensspitze schaffen können. Potentiell. Sie muss nur das gleich machen wie ein Mann. Auf Kinder oder ein Familienleben verzichten. «

Jede sinnvolle Diskussion ließe sich damit ins Absurde treiben.

Es lässt sich also Feststellen: Potenziell haben Argumente mit »potenziell« in der politischen Diskussion keinen Mehrwert und sind einfach nur sinnloser Redebalast für Menschen, die nichts Sinnvolles zu sagen haben.

Das Problem im Fall von Herrn Gwosdz ist nur, dass seine Aussage potenziell ein gesamtes Geschlecht in die Nähe von Vergewaltigern schiebt und er bagatellisiert damit noch einmal die Opfer der Kölner Übergriffe. Er wiederholt einfach nur mal das feministische Mantra »Potentiell ist jeder Mann ein Scheißkerl«.

Nun ist man das als Mann ja schon seit einiger Zeit gewohnt. Man ist geneigt Doris Lessings Zitat um eine Gruppe der Grünen Politiker zu erweitern:

»Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen und die dämlichsten grünen Jungpolitiker können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren.«

Ich warte ja beim nächsten Fall der Falschbeschuldigung wie hier auf die Stellungnahme von Anna Gallina der Landesvoprsitzenden der Hamburger Grünen:

“Als Frau weiss ich, jede noch so gut erzogene und liebevolle Frau ist eine potentielle Falschbeschuldigerin ist. Auch ich. Wir Frauen müssen uns dessen bewusst sein, nur dann sind wir auch in der Lage, erkennen zu können wann eine Lüge beginnt. Wer das nicht für sich selbst erkennt wird mit dem Erkennen von Grenzen Schwierigkeiten haben.”

Ist nicht der Unwahrer als die Aussage von Herrn Gwosdz, wo lügen doch einer der evolutionären Vorteile des Menschen ist und jede Frau potentiell dazu in der Lage ist.

Oder wenn sich Frau Gallina wie folgt zum Fall der kleinen Yagmur geäußert hätte:

»Als Frau weiss ich, jede noch so gut erzogene und liebevolle Frau ist eine potentielle Kindsmörderin. Auch ich. Wir Frauen müssen uns dessen bewusst sein, nur dann sind wir auch in der Lage, erkennen zu können wann Kindesmisshandlung beginnt. Wer das nicht für sich selbst erkennt wird mit dem Erkennen von Grenzen Schwierigkeiten haben.«

Natürlich ist auch diese Aussage nicht weniger wahr, als das Zitat von Herrn Gwosdz.

Jede Frau, welche die Kraft hat, ein Kind zu gebären, bringt alles mit, um diesem Kind nach der Geburt den Hals um zudrehen und es in der Tiefkühltruhe zu verstauen. Das kann leider niemand ernsthaft bestreiten. Zwei Drittel aller Kindstötungen werden immerhin von der leiblichen Mutter verübt.

Nichtsdestotrotz, würde sich vermutlich die Mutter aller Shitstorms entladen, wenn jemand auf diese Idee käme, alle liebenden Mütter mit diesem – zum Glück – minimalen Anteil der weiblichen Bevölkerung in einen Topf zu werfen, die solche Taten wirklich begehen. Denn nur, weil jede Mutter alles hat, um POTENTIELL zur Kindsmörderin zu werden, würden alle liebenden Mütter und alle Väter, demit solchen Müttern ihre Kinder großziehen, es sich verbitten, rhetorisch in die Nähe von einer Mutter von Yagmur gerückt zu werden.

Aber mit Männern kann man es ja machen, die sind nach einer Sozialisation im Zeichen der Emma fast nichts anderes gewohnt.


Nachtrag vom 13.01:

Herr Gwosdz hat ja mittlerweile sein Beileid bekundet.

»Und es tut mir leid, wenn Männer sich durch meine Aussage persönlich angegriffen fühlen. Jeder Täter trägt seine eigene Verantwortung und ist für seine Taten zu bestrafen.«

<…>

»Genauso richtig ist, dass die große Mehrheit der Männer – egal woher sie kommen – Frauen keine sexuelle Gewalt antun wollen. Es war nicht der Sinn meiner Aussage, das in Zweifel zu ziehen, und ich bedaure, wenn es so verstanden wurde.«

Das ist natürlich eine schöne Politikeraussage: Nicht dass Herr Gwosdz eine Aussage gemacht hat, die danach schreit, dass man sie als persönlichen Angriff versteht, ist das Problem, sondern dass die Männer sich persönlich angegriffen fühlen tut ihm leid. Nicht dass er sich missverständlich formuliert hat, sondern dass man seine ansonsten einwandfreie Aussage falsch verstanden hat.

Wie mein Freund Werner Kretscher es so schon sagte:

„Es tut mir leid, wenn Frauen sich belästigt fühlen.

Frauen würden das glaube ich Victim Blaming nennen, denn das Gefühl der Frau ist an der Sexismusdebatte schuld und nicht die Aktion der Männer.

Aber in diesem Sinne möchte dann doch auf jeden Fall zu meinem Beitrag hinzufügen (bevor es hier zu Missverständnissen kommt):

„Es tut mir leid, wenn sich Mitglieder der Grünen Hamburg durch meinen satirischen Entwurf für ein künftiges grünes Wahlplakat persönlich angegriffen fühlen. Jeder Täter trägt seine eigene Verantwortung und ist für seine Taten zu bestrafen. Natürlich bezweifle ich nicht die große Mehrheit der Mitglieder der Grünen (Bei dieser kleinen Teilgruppe aller Männer möchte ich sogar sagen „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“) – egal woher sie kommen – Frauen keine sexuelle Gewalt antun wollen. Es war nicht der Sinn des Posterentwurfes, das in Zweifel zu ziehen, und ich bedaure, wenn es so verstanden wurde.“

Nebenbei bemerkt: Wenn ich mich zu der Aussage: »Jede Frau ist eine potentielle Falschbeschuldigerin« in folgender Form entschuldigen würde:

»Und es tut mir leid, wenn Frauen sich durch meine Aussage persönlich angegriffen fühlen. Jede Täterin trägt Ihre eigene Verantwortung und ist für ihre Taten zu bestrafen.«

»Genauso richtig ist, dass die große Mehrheit der Frauen – egal woher sie kommen – Männer niemals Unberechtigt der Vergewaltigung bezichtigen würden. Es war nicht der Sinn meiner Aussage, das in Zweifel zu ziehen, und ich bedaure, wenn es so verstanden wurde.«

Ich mag nicht glauben, dass Frauen mir dann meine dumme Behauptung nachsehen würden.

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3 Gedanken zu „Potentielle Vergewaltiger

  1. Sehr guter Beitrag! So zeitlos…

    Ich kann mich noch gut erinnern, als ich in den 80er Jahren im grün-alternativen Freiburg bei einer politischen Veranstaltung vor dem Eintritt von einer Frau „befragt“ wurde, ob ich mich als „potentiellen Vergewaltiger“ bezeichnen würde. (Keine Ahnung, um welches Thema es bei der Veranstaltung damals ging, aber es gab zu der Zeit eine viel diskutierte Vergewaltigung durch einen Mann aus der „Szene“…).

    Es war offensichtlich: Meine Antwort ist das Ticket. Ich habe damals spontan gesagt „Wenn du dich selbst als potentielle Mörderin bezeichnest… warum eigentlich nicht?“. Während ihrer Schnapp-Atmung bin ich weitergegangen. Aber ich fürchte, heute würde ich mit so einer Antwort nicht mehr durchkommen…

    Gefällt 1 Person

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