Immer dieser Sexismus

Ich stolperte gerade über einen Text, den ich zur zu Brüder-Debatte 21013 geschrieben hatte. Gerade wird durch #Köln gerade wieder einmal diese Sexismus-Debatte angekurbelt. Ich habe ihn mal ein wenig aktualisiert, denn er passt gerade wieder ganz gut.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass sich die gerade abspielende Debatte im neuen Jahrtausend durch Mario Barth, Caveman und gefühlte Zehnmillionen Ratgeber vom Tenor »Männer können einparken Frauen besser Küssen« eigentlich erledigt hätte.

Aber der Stern musste ja unbedingt eine nicht sehr selbstbewusst wirkende “Journalistin” verheizen um eine Schmutzgeschichte gegen die FDP und ihren neuen Spitzenkandidaten  Rainer Brüderle zu fahren und plötzlich redet alle Welt über Sexismus.

Um es gleich vorwegzunehmen: Rainer Brüderle als die Hoffnung von Irgendwas zu bezeichnen, kann kaum ohne eine gehörige Portion Ironie geschehen und wenn man auf die FDP unbedingt noch einprügeln will, um sie noch ein paar zehntel Prozent weiter von der Fünf-Prozent-Hürde zu entfernen, gibt es genug politische Gründe, auf deren Basis man dies erreichen kann. Eine Schmutzkampagne, die einen sehr interpretationsfähigen Vorgang benutzt um diese junge Frau zum Opfer und einen alten Mann zum Sexisten zu stilisieren, hat ein souveräner Journalist da kaum nötig.

Wenn ich mich als Verschwörungstheoretiker in Stellung bringen wollte, würde ich vermuten, dass diese aufgebauschte Sexismus-Debatte von den sexistischen alten Herren initiiert wurde, um von eigentlichen Problemen abzulenken. In zwei Wochen kann sicherlich selbst der mitfühlendste Mann dieses Thema mehr hören, und zwar aufgrund der Belanglosigkeit des Aufhängers und wegen all der sich selber zum Opfer stilisierenden Frau, die nun mit ähnlichen Belanglosigkeiten ins Scheinwerferlicht kriechen.

All jene die ein berechtigtes Anliegen haben, werden von jenen Rampensäuen, die sich  auch noch ihre Portion Mitleid abholen wollen, in den Schatten gedrängt.

All die Frauen, die nicht damit klar kommen, dass ein Arbeitskollege oder Klassenkamerad ihnen auf den wohl präsentierten Arsch geschaut hat, werden jene, die sexuelle Belästigung oder Gewalt erlitten haben, mit dieser Banalität in den Schatten drängen. Denn für die die meisten #Aufschrei-Tweets, die ich gelesen habe, würde ein Mann, der mit solchen Klagen käme, zu hören bekommen »hör auf zu heulen auf und werd erwachsen«. Sie haben leider kaum etwas mit einer Erniedrigung aufgrund des Geschlechtes zu tun, mit welcher exklusiv Frauen klar kommen müssen.

Auch Männern passiert es hin und wieder, dass sie von ihren Chefs wie Idioten behandelt werden. Auch Männer fühlen sich ins Sexualverhalten der frühen Steinzeit zurück katapultiert, wenn sie eine Gruppe alkoholisierter JunggesellInnenverabschiederInnen auf der Straße begegnen. Wer mal sehen möchte, wie unzivilisiert sich Frauen auf die reinen äußeren Werte von Männern konzentrieren können, sollte sich einfach mal eine Chippendales Show anschauen. Schottische Barmänner weigern sich mittlerweile, Kilt bei der Arbeit zu tragen, weil alkoholisierte Frauen ihnen regelmäßig unter die Röcke greifen. Als ich dazu mal eine Diskussion im Internet startete, war die erste Reaktion „Wer Kilt trägt weiß dass sowas passiert.“ Und wer so einen Spruch bei der Klage einer Frau mit Minirock schreibt wird digital gesteinigt.

Im Grunde genommen hat das meist mehr mit schlechter Kinderstube und mit einem obskurem, nicht immer zu verstehen Balzverhalten zu tun, als mit sexueller Unterdrückung. Da ich einen Unterschied zwischen Misserfolgsresistenz und Lernunfähigkeit sehe, denke ich, dass dieses männliche Verhalten bei der einen oder anderen Frau durchaus zielführend sein kann.

Auch eine Frage wie “Bist du chronisch unterfickt?” hat auch nicht zwingend mit sexistischen Grundhaltung zu tun. Ich habe durchaus auch schon mal einen Busfahrer gefragt, ob er heute nicht ficken durfte, weil er sich seinen Kunden gegenüber wie ein Arschloch verhalten hat. Es ist vielleicht nicht die freundlichste Art und Weise, jemanden darauf hinzuweisen, dass er gerade seinen eigenen Frust auf andere ablädt, aber funktioniert durchaus.

Klar, haben Männer und Frauen unterschiedliche Arten mit einander zu reden. Das Stück »Caveman« bringt diese Unterschiede sehr schön auf den Punkt.

Wenn zwei Frauen sich treffen: »Man, du siehst ja gut aus. Und du hast dir die schicke Jeans gekauft, die dir so einen knackigen Po macht. Wow, Klasse.«

Wenn Männer sich so treffen würden, sind sie entweder klischeehomosexuell, oder der so angesprochene wird umgehend den Kontakt abbrechen.

Wenn zwei Männer sich treffen: »Mensch, Kalle. Lange nicht gesehen. Man, du siehst ja immer noch so scheiße aus.«

Wenn Frauen sich so begegnen, sind sie entweder Kampflesben oder die angesprochene würde umgehend den Kontakt abbrechen.

Natürlich sprechen sich auch Männer nicht immer so an, aber diese Beispiele verdeutlichen warum DIESE Sexismus-Debatte in vielen Punkten so anstrengend und überflüssig ist.

Eigentlich ist dies keine Debatte über das Patriarchat. Es ist eine über den von Frauen gewünschten Umgangston. Auch wenn einige Männer hier das Klagelied dieser Frauen mit den Worten verteidigen: »So muss sich kein Mann verhalten« ist doch die große Frage: Aber warum MUSS er sich anders verhalten? Hinterherpfeifen wird durchaus von einem nicht geringen Anteil von Frauen als Kompliment verstanden. Und noch wichtiger: Wie sollen wir denn damit umgehen, dass einige Männer (wie Hermine Granger es in »Herry Potter und der Orden des Phönix« so schon ausdrückt) ›die emotionale Bandbreite eines Teelöffels‹ haben?

Alle ins feministische Umerziehungslager schicken?

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Letztendlich ist diese Sexismus-Debatte keine Debatte über Gleichberechtigung (was auch eine Akzeptanz für die Andersartigkeit des anderen Geschlechtes voraussetzt, beziehungsweise die Fähigkeit mit dieser umzugehen), sondern es ist eine Debatte, die als Grundprämisse voraussetzt: »So wie Frauen sich benehmen, ist das gut. Also Männer passt euch dem an.«, damit es das ›bessere‹ Geschlecht nicht so schwer hat.« Es ist eine Debatte darüber, wie das Matriarchat gerne seine Welt hätte. Damit ist es eine hochgradig sexistische Debatte und dagegen wehren sich die meisten Männer.

Es wäre schön, wenn die vermeintlichen Feministinnen einsehen würde, dass sich niemand (zu mindestens niemand den man ernst nehmen muss) dagegen wehrt, dass Frauen gleichberechtigt sind, dass sie die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt bekommen und dass Vergewaltigungsopfer von der Justiz nicht ein zweites Mal zum Opfer gemacht werden sollen.

Diese Sexismusdebatte ist die beste Methode, um das Wort ›Sexismus‹ im allgemeinen Bewusstsein zu entwerten. Jene die, bei einer Diskussion um aktuelle geschlechtsbedingte Benachteiligung oder Erniedrigung, plötzlich mit Vergewaltigungsgeschichten von vor zwanzig Jahren kommen, und vollkommen ignorieren, dass sich die Zeiten geändert haben, liegen Meilen weit daneben, wenn sie meinen, dass dies Teil einer ernstzunehmenden Debatte über aktuelle sexuelle Gewalt sein kann.

Gerade der umstrittenste Vergewaltigungsprozess der jüngeren Geschichte zeigt doch sehr deutlich, dass sich hier gesellschaftlich Einiges geändert hat. Der Fall Kachelmann hat sehr schön gezeigt, dass Opfer von der Justiz inzwischen geschützt und ernst genommen werden, auch wenn sie vorher eine jahrelange Beziehung mit dem vermeintlichen Täter hatten. Trotzdem ist Herrn Kachelmann mit einer Strenge verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt worden, als wäre er jemand, der regelmäßig im Parkhaus wildfremde Frauen überfällt und missbraucht.

Und die Bloßstellung des Opfers?

Ich weiß bis heute nicht wie die Frau aussieht oder wie sie heißt. Im Zuge des Schadensersatzprozesses hat man wohl Fotos oder den Namen veröffentlicht, aber offensichtlich hat sich da ein großer gesellschaftlicher Konsens entwickelt, dass ein Vergewaltigungsopfer nicht zum zweiten Mal zum Opfer gemacht werden soll.

Sollte es Vorfälle geben, die darauf hindeuten, dass der Fall Kachelmann eine Ausnahme war und alte Klischees immer noch Realität sind, dann kann dies gerne wieder mit aktuellen Fällen in die Diskussion gebracht werden, aber wenn hier Geschichten ins Feld geführt werden, die von der gesellschaftlichen Entwicklung bereits überholt wurden, dann muss sich niemand wundern, dass Männer und sicherlich auch einige Frauen mit Unverständnis und Blockadehaltung reagieren.

Frei nach dem Motto »Kannst ja machen, was du willst. Den Feministinnen kannst du es ohnehin nicht recht machen«.

Es schadet der Debatte um die Frage, in welchen gesellschaftlichen Bereichen Männer oder Frauen immer noch benachteiligt werden, wenn jene, die mit aktuellen Problemen kämpfen, mit jenen, die den bereits vollzogenen gesellschaftlichen Wandel nicht wahr haben wollen, in einen Topf geworfen werden. Ihre Belange werden dadurch bagatellisiert.

Jene, die es eigentlich nötig hätten gehört zu werden, gehen im allgemeinen Grundrauschen der ewig Unzufriedenen unter.

Es ist inzwischen gesellschaftlicher Konsens, dass Vergewaltigung ein Verbrechen ist und ich glaube nicht (zu mindesten habe ich in den Onlinediskussionen wenig davon mitbekommen), dass jene Männer, die sich gegen diese Art der Sexismus-Debatte wehren, bestreiten würden, das ein gemeinsamer Drink keine Vergewaltigung rechtfertigt.

Natürlich würde ich mir auch wünschen, dass jeder Vergewaltiger Dingfest gemacht wird, und ich vermute, dass die grandiose Mehrheit der Männer diesen Wunsch teilen, denn die meisten haben auch Töchter und Mütter und Partnerinnen, denen dieses Schicksal erspart bleiben soll. Das ändert aber nichts daran, dass wir in einem Rechtsstaat leben, in dem die Schuld für eine Verurteilung zweifelsfrei bewiesen sein muss. Das ist aufgrund der Art des Verbrechens leider manchmal weniger leicht als bei einem Handtaschenraub.

Der Grund weswegen sich viele Männer z. B. dagegen wehren, die Vergewaltigungsgesetze zu verschärfen ist nicht, weil sie wollen, dass Täter davon kommen, sondern weil auch dem Missbrauch mit dem Vergewaltigungsvorwurf Tür und Tor geöffnet wird, wenn hier eine Beweisumkehr stattfindet und plötzlich der Angeklagte seine Unschuld beweisen muss, wenn eine Frau nach promiskuitivitätssteigerndem Alkoholkonsum, am nächsten Morgen Schamgefühle wegen des Ergebnisses hat.

Ich persönlich kenne mittlerweile schon drei Männer, die sich im Sorge ihrer Sorgerechtsstreitigkeiten mit Falschbeschuldigungen konfrontiert sahen, nachdem sie sich für eine Ausweitung des Umgangs eingesetzt haben und auch der Fall Kachelmann hat natürlich die Diskussion ausgelöst, ob sich hier nicht einfach nur eine enttäuschte Geliebte rächen wollte. Viele Menschen haben nicht nur Töchter, die vor so einer traumatisierenden Straftat geschützt sein soll. Viele haben auch auch Söhne, die sie vor dem Schicksal eines Paul Nungeßer bewahrt wissen wollen. Wem dieser Name nichts sagt, der lese sich ruhig einmal den Artikel des Magazins der Süddeutschen zu seiner Affäre mit Emma Sulkowicz durch.

Es ist kontraproduktiv so zu tun, als wäre Vergewaltigung in Deutschland immer noch ein allgemein akzeptiertes Kavaliersdelikt. Natürlich gibt es Arschlöcher. Es gibt Menschen, die durch die Welt rennen und dass anders sehen, aber solange diese Menschen in der deutlichen Minderheit liegen und es der gesellschaftliche und mediale Konsens ist, dass diese Menschen falsch liegen, ist es verlogen und wenig zielführend sich eine Rape Culture zurecht zu phantasieren. Und alles, was mit einem eindeutigen »Danke, kein Interesse« zu klären ist, hat in dieser Diskussion nichts zu suchen.

Einige Frauen scheinen sich heutzutage offensichtlich den Staat als Ritter in der strahlenden Rüstung zu wünschen, der ihnen bitte jede Unannehmlichkeit vom Leib halten soll.

Im großen und Ganzen hilft die aktuelle Form der Debatte nur zwei Gruppen:

1.) Den Sexisten, welche so weitermachen wollen wie bisher und deshalb gar nicht an einer differenzierten Aufarbeitung des Themas interessiert sind.

2.) Den Berufsopfern, die sich lieber in der Bequemlichkeit ihres Opferdaseins ausruhen wollen, denn die sind genauso wenig an einer differenzierten Aufbereitung weiblicher Benachteiligung interessiert. Es könnte dabei ja dabei raus kommen, dass es doch nur eine faule Ausrede ist, dass »Mein Chef mich nicht befördern will, weil er mich auf meinen Arsch reduziert«. Sich zu fragen »Liegt es vielleicht an meinen eigenen Fähigkeiten?« kann da viel schmerzhafter sein. Selbst wenn es nur das bessere Selbstmarketing ist, welches dem unfähigen Kollegen die Beförderung eingebracht hat.

Leider sind es jene, die glauben Sexismus schreien zu müssen, weil ein Mann sie als ›geile Schnitte‹ bezeichnet hat oder weil ihr Dekolletee auch dem ekeligen alten Mann mehr von ihren körperlichen Vorzügen zeigte, als ihr im Nachhinein lieb war (und dieser auch nicht die gute Kinderstube besaß, woanders hin zuschauen), die in der öffentlichen Diskussion viel Aufmerksamkeit für sich binden. Damit hört man leider nicht mehr jene, deren Leid eigentlich das Thema der Sexismus-Debatte sein sollte. Mit all den Banalitäten, bei denen ein Mann vermutlich nur zu hören bekäme »#mimimi, stell ich mal nicht so an«, würde ich auch nicht gerne in einen Topf geworfen werden wollen, wenn ich unter sexueller Nötigung, häuslicher Gewalt oder Schlimmeren zu leiden habe.

Und man sollte sich vielleicht auch klar machen, dass Erniedrigung zu einem gewissen Anteil auch immer da stattfindet, wo man sie zulässt. Oft hat das nichts mit Sexismus, sondern mit Gleichberechtigung, zu tun, wenn man sich für Anfeindungen ein dickes Fell zu legen muss. Auch Männer müssen das tun. Auf dem Weg zum Aufsichtsratsposten müssen sie sich auch einiges anhören, was nicht immer gerechtfertigt für ihre Leistung ist. Und auch nicht jeder Mann, der da hin will, schafft das auch. Ich vermute einfach mal, dass Frauen, die wegen jedes dummen Spruchs gleich einen Shitstorm starten, und nach Papa Staat als Retter schreien, hier eher Probleme haben werden, sich durchzusetzen.

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