Darf man Neugeborene töten?

Ich stolperte gerade über eine Diskussion aus dem jahr 2012/2013, wo sich ein Philosophenpärchen über die Frage ausließen, ob man neugeborene Töten darf oder nicht.
Was ich ja immernoch am faszinierendsten an solchen Meldungen finde, ist, dass Medien wie Focus, Welt und andere jede unsinnige Bäuerchen von Schwachmaten, welches einen Gedanken formuliert erwähnenswert finden, nur um die ersten zu sein die einen möglichen Skandal aufbauschen.

„Auch Skandale können langweilen.“ schrieb die Ärztezeitung dazu.

Die Begründung der beiden Philosophen für ihre krude These, hat mir mal wieder klar gemacht, warum mich das Philosophie-Studium irgendwann nur noch gelangweilt hat. Sie ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass es Philosophen nicht mehr um die Liebe zur Weisheit geht, sondern darum, mit Unsinn zu blenden.

„Zur Begründung führen Minerva und Giubilini an, ein Neugeborenes sei keine Person im eigentlichen Sinn und sein moralischer Status sei derjenige eines Fetus.“

Mir fallen durchaus ein paar erwachsene Menschen ein, über die ich auch sagen könnte, dass ’sie  keinen Wert mit mit ihrem Weiterleben verbinden können, wie es eine „tatsächlich existierende“ Person tun würde. Wenn man denen das Leben nähme, würde man ihnen daher nicht schaden, weil sie nicht in der Lage sind den Unterschied einzusehen.‘ nicht umsonst gibt es den Sponti-Spruch „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“

Nicht einmal zum Anfachen einer erneuten Abtreibungsdebatte eignet sich ein solcher Unfug, auch wenn die Autoren ihren Diskussionsbeitrag in diese Richtung deuten wollen:

Deshalb sei das Töten eines Babys auch nichts anderes als eine Abtreibung im Mutterleib. „Sind die Umstände nach der Geburt so, dass sie eine Abtreibung gerechtfertigt hätten, dann sollte die Abtreibung auch nach der Geburt noch möglich sein“, sagen die Wissenschaftler

Es gibt hier nur zwei gravierende Unterschiede

  1. Das Neugeborene will Leben. Auch wenn es sich sich nicht keine philosophieschen Gedanken über das „Nichtexistieren“ macht. Das sie leben wollen zeigen Neugeborene schon ziemlich deutlich. Wenn man solch eine Reaktion auch mal von einem 12 Wochen alten Foetus sieht, dann kann gerne anfangen zu überlegen, diese beiden Existenzzustände in einen Topf zu werfen .
  2. Neugeborene können auch prinzipiell ohne den Mutterleib und ohne die Mutter überleben. Wikipedia weiß zu berichten: „Der frühestgeborene überlebende Mensch kam 2010 nach nur 21 Wochen und fünf Tagen zur Welt und wog 460 g bei einer Größe von 26 cm (Stand 2010)“.

In sofern steht das höhere Gut des Babys (Das Recht zu Leben) leider dem geringeren Gut der Mutter (dem Recht keine Verantwortung für ihre Handlung tragen zu müssen) entgegen.

Abgesehen davon gäbe es ja auch noch reichlich Alternativen zum Töten des Kindes, weshalb hier selbst mildernde Umstände eigentlich vollkommen unangebracht wären.

Aber eine letzte Frage stelle ich mir als Sexismusbeauftragter bei dieser Diskussion doch. Wenn für diese ausgesprochenen  Vollidioten die Tötung eines Neugeborenen durch „die unzumutbare Belastung, die es für die Mutter bedeuten könnte, das Kind aufzuziehen“ zu  legitimieren wäre, haben dann auch die Väter ihrer Meinung nach das Recht, sich der unzumutbaren Verantwortung – für das Kind die nächsten zwanzig Jahre finanziell aufzukommen – zu entledigen, indem sie das Kind im Kreissaal töten? Jede Unterstellung, welche die beiden „Philosophen“, zur Legitimität der Neugeborenentötung anstellen, sollte ja wohl gelten, egal wer das Kind tötet. Egal wer sich vor der Verantwortung drücken will, oder?

Aber nein, eigentlich will ich darauf gar keine Antwort. Es gibt Ideen die sind so dämlich. dass sie der Legitimation jeglicher Diskussion entbehren. Traurig ist eigentlich nur, dass sich wirklich ein philosophisches Fachmagazin findet, wo so ein Unfug veröffentlich werden darf, und das diese Menschen auch noch in Artikeln zu diesem Thema als „Experts“ bezeichnet werden.

Vielleicht gibt es ja irgendwo auf dieser Welt den akademischen Grad „Experts of Bullshit“.