Die Wahrheit über das Flirten! – Bravo-Beziehungsdramen 2.0

Kürzlich hat die Bravo einen Shitstorm provoziert, weil sie das gemacht hat, was sie die letzten 40 Jahre mehr oder weniger erfolgreich tut: Ihrer Zielgruppe von pubertätsgeplagten Jungen und Mädchen 100 Flirttipps an die Hand zu geben, die es in diesem Fall den Mädchen erleichtern sollen, die Aufmerksamkeit von Jungen zu erregen.

Man glaubt es kaum, aber auch Hotpants und eine zur Schau gestellte Thigh Gap scheinen nicht auszureichen, um Jungen heutzutage zur Beziehungsanbahnung zu bewegen, zu mindestens, wenn diese über das dritte Date hinaus gehen soll.

Natürlich wäre es schön, in einer Welt zu leben, in der junge Menschen so selbstbewusst und geübt im Umgang mit dem anderen Geschlecht sind, dass sie solche Tipps gar nicht benötigen, aber wenn ich im Einkaufszentrum mal wieder einer Gruppe Teenagerinnen lausche, die sich lautstark in der Umkleidekabine über das für und wider des jeweiligen Outfits auslassen und ob Kerle wohl Wert auf ihre Thigh Gap legen, muss ich leider feststellen, dass sich bezüglich der gegenseitigen Ahnungslosigkeit bei den Teenagern offensichtlich in den letzten 30 Jahren wenig getan hat.

Zwar können die Kinder im Internet alle Sexualpraktiken googlen und gleich dazu Videos mit der entsprechenden Umsetzung ansehen, aber wirklich aufgeklärter, wie das zwischenmenschliche Miteinander unter den Geschlechtern funktioniert, sind sie dadurch leider nicht. Ich vermute, gegenderter Sexualkundeunterricht, der im Kindergarten die 62 Geschlechter bei Facebook erklärt, wird das auch in Zukunft nicht verbessern. Selbst Erwachsene sind hier leider trotz Caveman und Mario Barth oft schockierend ahnungslos, wie das andere Geschlecht tickt. Wozu gibt es mit Foren in Dating-Portalen heute das Erwachsenen-Gegenstück zum Dr. Sommer-Team, wo verzweifelte Singles nach Ratschlägen suchen, wie sie sich beim ersten Date verhalten sollen, oder um SEIN Verhalten nach dem dritten Date zu verstehen.

Wenn man sich die Bravo-Tipps mal ansieht, frage ich mich, was die ganze Aufregung soll. Klar sind auch Tipps dabei, die ein Rollenbild wie in meinen eigenen Schulprojektwochen in den 80ern zelebrieren, aber selbst für diese gibt es auch heute noch eine Zielgruppe und zweifellos auch Frauen, die diese Zielgruppe attraktiv findet.

Die Kritiker der Flirttips wittern vermutlich die Herabwürdigung der Frau, weil diese Tipps nahelegen, dass auch Frauen sich manchmal anders als „naturgegeben“ verhalten müssen, um die Aufmerksamkeit von Jungen zu bekommen.

Erstaunlich ist, dass sich angesichts des Eifers mit dem bereits 12 jährige ihre GNTM-Idole mit Makeup und aufreizenden Outfits kopieren, niemand beschwert, sondern dieses in der letzten Sexismus-Debatte über das #Hotpantsverbot sogar vehement verteidigt wird. Eigentlich kann man sich nur freuen, dass sich 90% der Schmink- und Kleidungstipps der Bravo auf „Weniger ist mehr“ und „Orientier dich dabei nicht an der Masse“ reduzieren lassen.

„Tipp 3: Es gibt nur eine Frisur, die alle Jungs lieben: keine! Haare offen ist der absolute Top-Favorit von Typen.“

Stimmt liebe Mädchen. Kaum ein Junge wird sich in euch verlieben, weil Ihr euch eine hochkomplizierte Leia Organa-Frisur gedreht habt. Es sei denn, Ihr habt Euer Date auf einer Krieg der Sterne-Konvention.

„Tipp 13: Mach Dich nicht verrückt wegen eines Pickelchens oder Deiner Zahnspange. Beides haben auch Jungs. Je entspannter Du Deinem Aussehen gegenüber bist, umso schöner wirkst Du!“

Solche Tipps könnten manche häusliche Krise ersparen, wenn die Mädchen sie nicht nur von den Eltern, die wie meine Tochter meint, sie ja sowieso lieben müssen, zu hören bekommen, sondern auch von einer neutralen Instanz.

„Tipp 18: Ahme seine Gesten nach: Lehnt er sich nach rechts, lehnst Du Dich ebenso in die Richtung, stützt er den Kopf auf die Hände, machst Du das auch. Dadurch nimmt er Dich unterbewusst als total sympathisch wahr.“

Im Tonfall der Bravo mag das zwar etwas albern wirken, aber so ein Verhalten wird in der Neurolinguistischen Programmierung (NLP) als „Pacing and Leading“ gepredigt. Das erzeugt genau die Vertrautheit, die man braucht, damit sich der andere öffnet (und Dir letztendlich folgt). Ist eigentlich nicht schlecht, wenn man als Teenager mal darauf aufmerksam gemacht wird, dass so etwas funktionieren kann. Einen feministischen Tobsuchtanfall zu bekommen, weil Frau sich hier vermeintlich an den Mann anpasst. hilft da vermutlich eher weniger. Und Sarah Kuttners Kommentar zeigt, dass solche Tipps auch für selbstbewusste Frauen offensichtlich funktionieren.

Letztendlich trifft es der Kommentar von Christian Schmidt von AllesEvolution sehr gut:

Meiner Meinung nach handelt es sich nur sehr eingeschränkt um tatsächliche Flirttipps. <…> Sie sollen den Mädchen ein Gefühl von Handlungsmöglichkeiten geben, ohne das sie sich damit zu weit aus der Deckung wagen müssen. <…> Sie sollen also bei ihrem Schwärmen von einem heißen Jungen Gloss kaufen oder ein neues Parfüm und sich so gut für die Situation gewappnet fühlen. Es sind Listen, die man durchgehen kann und bei denen man allerlei Vorschläge erhält, mit denen man ein wenig was an sich verändert und die man dann ausprobieren kann.

Angesichts der Tatsache dass die Eigeninitiative, den Jungen einfach anzusprechen, heutzutage nicht nennenswert größer ist, als zu meiner Zeit, ist es nicht das schlechteste, was man Jugendlichen an die Hand geben kann und Großteil der Tipps lassen sehr gut der von Christian zitierten Flirttipps subsumieren:

  • Making yourself as attractive as possible
  • Making yourself approachable
  • Filtering out the men that just want to have sex with you from the men that want to date you

Und letztendlich wäre ist doch schön, wenn all jene, die meinen, sich bei Twitter in 140 Zeichen über die Bravo Flirttipps echauffieren zu müssen, eine bessere Alternative nennen würden, um den jungen Menschen beim Kennenlernen zu helfen. Sich altklug über etwas lustig zu machen kann jeder. Damit füttert man vielleicht sein eigenes Ego, weil man den Anschein erweckt, dass man es besser wüsste. Ich bezweifle, dass die meisten der Kritiker es besser wissen.

Das Auflösen der Rollenstereotypen hat die Beziehungsanbahnung nicht erleichtert.

Ich bin echt froh, dass ich heute kein Teenager mehr bin. Zugegeben auch in meiner Teenagerzeit gab es auch die gefühlten hundert Projektwochen zum Thema „Der Mann als Scheißtyp“ in welchen wir uns haben erklären lassen, warum die Rollenbilder unserer Vorväter falsch waren, und was alles besser wäre, wenn man Frauen an die Macht ließe (Genaugenommen nichts: Frauen sind nicht besser oder netter in Führungspositionen und Frau Merkel scheint von Helmut Kohl sehr gründlich gelernt zu haben, wie man potentielle Konkurrenz kalt stellt, nicht wahr, Herr Merz?).

Eine wirkliche Rollenbildalternative, mit der man für eine Frau mehr als nur ein guter Freund wird, hatte schon damals niemand parat. Erstaunlicherweise haben sich zu meiner Zeit die vehementesten Emanzipationsverteterinnen immernoch am Liebsten von der Arschlochfraktion ihr verkorkstes Männerbild bestätigen lassen, anstatt mal dem sensiblen Frauenversteher eine Chance als Partner zu geben.

Heutzutage scheint es für Teenager aber noch schwerer zu sein, weil jeder männliche Fehltritt zu einem untrüglichen Zeichen von Sexismus stilisiert wird.

So beschreibt die Lehrerin Anna Frach in dem Zeitartikel #Aufschrei in die Schulen tragen folgende Szene als Motivation für ihren Aktivismus:

„Vor ein paar Jahren saß ich in einem Zugabteil allein mit einem Soldaten. Er sagte: Wir können doch jetzt hemmungslos rumknutschen, dann kommt bestimmt niemand mehr ins Abteil. Ich habe ihn zwar abwehren können, aber nicht selbstbewusst und gerade heraus. Und ich habe mich schlecht gefühlt.“

Da frage ich mich doch, ob sie es einfach nur verpasst hat, das wirklich Bedrohliche an dieser Szene in Worte zu fassen, oder ob der guten Frau wirklich nur eine positive Vaterfigur fehlte, bei der sie hätte lernen konnte, wie man souverän mit unerwünschten Anmachen umgeht, denn dass scheint ihrer Beschreibung nach das größte Problem gewesen zu sein.

Solche Überdehnungen des Begriffs der sexuellen Belästigung macht es den Jungen heutzutage nicht gerade einfacher, sich dem anderen Geschlecht zu nähern.

Die Kunst des Flirtens ist grenzüberschreitend und bestätigt alte Vorurteile zwischen Mann und Frau

In der Tageszeit „Die Welt“ bricht deshalb plötzlich die Sexualtherapeutin Beatrice Wagner die Lanze für die Bravo Flirttipps. Unter dem Titel: „Ich Tarzan, Du Jane. Nur so funktioniert Flirten!“ zitiert sie ihre Kollegin Beate Kube:

„Flirten ist immer auch eine leichte Grenzüberschreitung“, sagt sie. „Der Mann schaut der Frau ein bisschen zu tief in die Augen, oder er berührt die Frau ungefragt.“ Viele Männer trauen sich das nicht mehr.

Denn Leider wird diese „Grenzüberschreitung“, die in der Natur des Flirten liegt, heutzutage oft zum Drama stilisiert. Da kann ein junger Mann schon paranoid werden.

„Ohne einen ordentlichen Pegel Alkohol würde kaum ein Jugendlicher heutzutage Sex haben“

Was bin ich froh, dass mein Sohn nun schon seit einigen Jahren in einer sehr netten, festen Beziehung ist und sich dafür nicht mehr besaufen muss, aber dieses Zitat von ihm, bringt offensichtlich das Problem ziemlich gut auf den Punkt.

Echte Hingabe geht nicht unter zu viel Kontrolle

Der gesellschaftliche Konsens, der so schön im aktuellen Parteiprogramm der SPD seinen Ausdruck findet („Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“) macht die Beziehungsanbahnung für Männer zum Minenfeld.

Für einen jungen Mann, der sowieso von der pubertären Unsicherheit geschlagen ist und heutzutage kein wirklich positiv besetztes Männerbild präsentiert bekommt, muss es ein echtes Drama sein, unbefangen auf ein Mädchen zu zugehen. Immer besteht die Gefahr, einen Blick fehlinterpretiert zu haben oder eine Wizorek-Frau, wie die oben zitierte Lehrerin, zu erwischen, die den Annäherungsversuch zum traumatischen Erlebnis erklärt und den nächsten Hashtag bei Twitter startet.

Da trauen sich die jungen Männer gar nichts mehr, wenn nicht die Ausrede des Kontrollverlustes durch Alkohol zur Hand ist.

Mich wundert es nicht, das „Pickup Artists“ oder „Verführungscoaches“ inzwischen von Seminaren leben können, in denen sie ganz normalen und etwas planlosen Männern erklären, wie sie sich einer Frau gegenüber als Mann verhalten sollen, um diese auch unter 2 Promille kennenzulernen.

Eigentlich könnte es so einfach sein: Einfach mal Mann sein, einfach mal Frau sein, und einfach mal locker bleiben, wenn man vom Mr. Wrong angesprochen wird oder das andere Geschlecht andere Macken hat als die eigenen. Soviel Selbstbewusstsein steigert nicht nur bei Männern die Attraktivität.

Aber leider wird jeder Minderwertigkeitskomplex eines FeministInnenseelchens inzwischen Shitstorm und Medienhype aufgebauscht. Ob es nun die Bravo Flirtipps, Brüderles Dirndl Kommentare, das Hotpantsverbot, oder die „Hart aber fair„-Sendung zum Ampelfrauchen Stein des Anstoßes sind. Gerade letztes zeigt sehr schön, dass Toleranz offensichtlich etwas ist, was die Kritiker nur für ihre eigenen Belange wichtig finden

Wer will heute schon Mann sein, wenn das in jeder offentlichen Diskussion die Bedeutung von „Täter“ hat und wer will Frau sein, wenn das die Bedeutung von „Opfer“ hat. Und wenn man als Gleichstellungsbeauftragte aus diesem Schema ausbrechen will wie Monika Ebeling, kann man sich gleich einen anderen Job suchen.

„Und genau mit diesem Rollenverhalten haben Frauen und Männer heutzutage ihre Schwierigkeiten. Er männlich und aktiv, sie weiblich und passiv. Wie verträgt sich das mit dem Rollenverständnis im Zeitalter der Emanzipation? <…>

Wieso sollten wir also im Flirt etwas signalisieren, was wir im Beziehungsalltag nie und nimmer leben möchten? Solche Gedanken haben Männer, wenn sie den Frauen nicht mehr in den Mantel helfen, denn „anziehen können die sich doch wohl selber“.

Und ihre Rechnung bezahlen kann eine Frau mit Abitur und Berufsausbildung wohl auch selber. Und was machen Frauen dann? Sie fahren zum Liebesurlaub nach Italien, weil sie sich bei den sanftmütigen Frauenversteher, jenseits der Alpen mal wieder wie eine Frau fühlen dürfen.

Doch das verkompliziert nur alles, wie alle Versuche, das Flirten politisch korrekt zu gestalten. In Kalifornien setzen sich Studierende inzwischen dafür ein, dass ein Mann erst nach einer Einverständniserklärung mit einer Frau flirten oder gar mit ihr Sex haben darf. „Affirmative consent“ – schriftlich bestätigtes Einverständnis – heißt diese Bewegung … Es gibt sogar schon Consent-Kits zu kaufen, mit Kondomen und Formularen, auf denen die verschiedenen Stufen Nähe zuvor von den beiden Partnern unterschrieben werden, nach dem Motto: „Darf ich dich jetzt küssen?“, „Ja, aber erst unterschreiben bitte.“

Ich bin mir sicher, dass in so einer Gesellschaft die Verführerplatte aus John Landis‘ TV-Satire „Kentucky Fried Movie“ einen echten Boom erleben wird, denn die erspart viel Papierkram.

Ein Augenzwinkern.
Eine leises Flüstern ins Ohr:
„Die Verführerplatte Nummer 17?“

Ein Nicken der Frau „Ja, die mit Big Jim Slade“

und jeder weiß, worauf er sich gerade geeinigt hat.

Nimmt zwar jeden Spaß aus einem romantischen Abend zu zweit, aber als Mann wird man ja kreativ, um bloß nicht in die Täterecke geschoben zu werden.

Und die Frauen? Na ja die starten dann vielleicht mal ihren #Aufschrei gegen die Gängelung durch feministische Heulsusen, damit bei der sexuellen Begegnung auch mal wieder so etwas wie Spannung entsteht.

„Wenn Männer nicht mehr „leicht grenzüberschreitend“ um Frauen werben dürfen, weil alles politisch korrekt sein muss, verfliegt die Libido.<…>
Wir erschaffen uns durch solche Einverständniserklärungen, genauso wie durch die Flirt-Apps und Dating-Portale, eine schöne sexuelle Scheinwelt, in der alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und in der trotzdem nichts passt, weil das Wesentliche fehlt, nämlich die Spannung und die Wertschätzung der Andersartigkeit des Partners.“

Es wäre vielleicht hilfreich, wenn in der Debatte über die Gleichberechtigung diese Wertschätzung für die Andersartigkeit des Partners eine größere Rolle einnehmen würde.

Sehr treffend beendet Julia Roothaus ihren SZ-Artikel zur Flirtmüdigkeit deutscher Männer mit

Jetzt sind allerdings die Frauen gefragt, die inzwischen verlernt haben, wie man auf ein Kompliment reagiert, und sofort alles schlecht machen: „Ist doch ein altes Kleid. Ich weiß gar nicht, ob mir die Farbe steht. Länger haben mir die Haare besser gefallen.“ Stattdessen sollten wir einfach mal sagen: Danke.

Fördert Alice Schwarzers Emma den Frauenhandel?

Alice Schwarzer und ihre KumpanInnen tun gern so, als würden sie sich für die Interessen der Frauen einsetzen. Auch ihre „No Prostitution“-Kampagne soll natürlich nur den Frauen zugutekommen. Nach Alice Schwarzers Annahme ist es ja geradezu undenkbar, dass sich auch nur eine einzige Frau freiwillig dazu entscheidet, auf diese Art und Weise ihr Studium oder ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Amnesty International (AI) hat seit neustem eine etwas andere Haltung zur Prostitution und fordert deren Legalisierung. Nicht erst seit Al Capone wissen wir, dass sich über eine Prohibition hauptsächlich einer freut: Der Kriminelle, der bereit ist, die verbotene, und damit umso verlockendere Frucht gegen einen massiven Aufschlag dennoch zu liefern. Seien das nun Alkohol, Glückspiel, Marihuana oder eben die Dienstleistung Sex. Es wird schon seinen Grund haben, weshalb die Mafia nie mit Tomaten gehandelt hat (von Geldwäsche-Aktivität mal abgesehen).

Die Argumente von Amnesty International sind durchaus plausibel: Weiterlesen