Was hat mein Sohn mit dem #hotpantsverbot zu tun?


Die Temperaturen steigen, die Kleider werden leichter, kürzer und knapper und eine Schule erregt eine Diskussion, weil sie eine gewisse Kleiderordnung einführt.

Aber in der taz wird das Thema zum Anlass genommen, um hier ein Beispiel für Rape-Culture und Unterdrückung der weiblichen Selbstbestimmung zu wittern und sich in der Nähe von Burka-Pflicht zu wähnen. Das eine Schule bislang nur von zwei gemaßregelten Jungen berichtet und der typische Alltag in einer Bank eigentlich zeigt, dass Männer noch deutlicher einem Dresscode unterworfen sind, ist dann wohl eher kleinlich. Ebenso diee Tatsache, dass eine  Schulleiterin das Einschreiten initiiert hatt, ist irrelevant, wenn Frau sich zum Opfer männlicher Triebhaftigkeit stilisieren kann.

Ich persönlich glaube ja, dass es durchaus möglich ist im Sommer temperaturgerecht rumzulaufen, ohne den Damen auf der Reeperbahn optisch Konkurrenz zu machen. Nicht dass ich ein Problem damit hätte wenn Frauen darauf bestehen es doch zu tun, aber finde es auch eher peinlich, wenn sie mit ihrer Bekleidung ihre Sexualität so deutlich zu schau stellen und sich dann beklagen wenn jemand darauf anspringt.

Das ist schon eine interessante Diskussion.

Jene, die hier so laufstark schimpfen, dass es ein unerträglicher Einschnitt in die persönliche Individualität eines jungen Mädchen ist, wenn man verhindert, dass es wie Dolly Buster rumrennt, tun diesen Mädchen sicherlich einen Bärendienst, oder ist es vielleicht heutzutage plötzlich ein Zeichen überbordenden Selbstbewusstseins, wenn Mädchen keinen besseren Ausdruck ihrer Individualität haben, als zum H&M-Klon einer Heidi-Klum-Schülerin zu mutieren, für den die Inhaltsleere zwischen den Schenkeln (Thigh Gap) wichtiger ist als die Inhaltsleere zwischen den Ohren.

Den ekeligen, alten, geifernden Männern tun sie auf jeden Fall einen großen Gefallen, weil die endlich mal wieder kostenlos etwas Anregung für ihre schmutzige Fantasie bekommen, wenn man Teenagern einredet es wäre der ultimative Ausdruck ihres Selbstbewustseins ihre aufkeimenden sekundären Geschlechtsmerkmale in die Welt zu halten.

Ich frage mich da immer, ob es für diese weiblichen SelbstbestimmungskämpferInnen okay ist, wenn Schülerinnen künftig nur im BH oder gar gleich Oben ohne zur Schule gehen? Dann können sie gleich femenlike Botschaften auf die Brüste schreiben, wie „Wir wollen Hitzefrei! Schule ist ’ne Schweinerei!“ Oder gibt es dann doch noch eine Grenze, die man als Erziehungsberechtigter und Erziehungsbeauftragter der Selbstbestimmung von frühsexualisierten Teenagern setzen sollte?

Vermutlich werden solche Frauen künftig auch „Sexismus“ „Rape-Culture“ und „Victim Blaming“ brüllen wenn einer Bankberaterin, die bauchnabelfrei in Hotpants zur Arbeit erscheint, der Weg ins mittlere Management verweigert wird, weil so ein Auftreten als unseriös empfunden wird. Ist ja schließlich die Schuld der Bankkunden und Vorgesetzten, wenn sich bei denen das Gefühl einschleicht, es könnte versucht werden, mangelnde Kompetenzen durch ein ablenkendes Äußeres zu kaschieren.

Mir persönlich tut es ja auch manchmal leid, dass Männer so oberflächlich sind und beim Blick zwischen Sharon Stones Schenkel nicht zuerst daran denken, dass sie als Teenager ein Bücherwurm war und einen IQ von 154 hat, aber ich vermute, da unterscheiden sie sich wenig von Frauen, die bei Dolph Lundgrens Muskelpaketen auch nicht zuerst daran danken, dass sein IQ um 28 Punkte höher ist, als der von Jody Foster.

Ich freue mich schon auf den nächsten #Aufschrei, wenn die nächste Generation von jungen Frauen über Sexismus jammern, nur weil sich nicht nur die attraktiven Mitschüler oder George Clooney, von solch knapper Kleidung ablenken lassen, sondern auch die Pickeligen und Ekeligen, die sich dann wohlmöglich zu doppeldeutigen Sprüchen hinreißen lassen, weil sie ohnehin keine Chance bei einer so auf Äußerlichkeiten fixierten Mädchen haben.

Prinzipiell habe ich kein Problem damit, wenn Frauen halbnackt durch die Gegend rennen, aber wer sein Recht auf individuelle, freie Selbstentfaltung auf diese Weise zum Ausdruck bringen möchte, sollte sich dann nur nicht beschweren, wenn dann auch andere als die anvisierte Zielgruppe hinschauen und auch sie wohlmöglich bewerten.

Kommentare wie „hübscher Hintern“ werden durchaus von unserem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Wenn man mit so einem (oder einem schlechteren) Urteil nicht leben kann, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder nicht so kleiden, dass das Gesäß so überdeutlich präsentiert wird, oder man sollte eine „ist mir egal“-Haltung gegenüber der Meinung anderer Menschen zulegen. Zu meiner Zeit war letzteres der Ausdruck von Selbstbewusstsein und nicht eine lautes „Sexismus“-Schreien, wenn das Umfeld nicht so reagiert hat, wie eine kleine Mädchenseele es sich vielleicht manchmal wünscht.

Natürlich kann man einwenden „kein Mann oder Junge muss das tun“, aber andererseits gilt auch das Gegenargument, dass kein Mädchen gezwungen wird so rumzulaufen und man kann Jungen im öffentlichen Raum leider nicht zwingen woanders hinzuschauen.

Wer möchte, das seine „Private Parts“ (englisch für „Geschlechtsorgane“) auch privat bleiben hat das meist selber in der Hand wie öffentlich die werden.

Nur weil das Dauerabo von Germanys Next Top Modell inzwischen sogar Zwölfjährige glauben lässt, dass es bewunders- oder erstrebenswert ist, lediglich als attraktive Hülle mit Angermangement-Problemen wahrgenommen zu werden, heißt nicht, dass es die Schuld von den Klassenkameraden ist, wenn 12-13 oder 15 Jährige ihr Selbstbewusstsein durch eine Sexualisierung aufbauen, mit der sie spätestens dann nicht mehr umgehen können, wenn das andere Geschlecht darauf anspringt.

Ich vermute wenn mein Sohn nach Hause käme und heulen würde, weil bei seinem letzten Auftritt seiner Grunge Rock-Band Wide Open Beaver mal wieder Oben ohne auf der Bühne stand und ihn Mädchen sexuell erregt mit BHs und Fetischobjekten beworfen haben,, dann würde ich ihn auch fragen, ob er nicht nicht mal über sein Outfit nachdenken will.  Ebenso wenn er nicht damit klar käme, dass nicht alle seinen Körper gleichermaßen attraktiv fanden. Non-Konformist zu sein, dem bei seiner Kleidungsauswahl der Gefühlshaushalt seiner Mitmenschen egal ist, war leider schon immer etwas für Menschen mit Rückgrat.

Vielleicht ist dieser erbärmliche Versuch aus dieser Diskussion einen Rape Culture Zusammenhang herbei zu fabulieren mal wieder eine gute Gelegenheit Birgit Kelles Klassiker „Dann mach doch die Bluse zu!“ zu zitieren:

Es nervt, es regt mich auf, gerade als Frau, dass inzwischen jede Lappalie, jede blöde Anmache, jedes Hinterherpfeifen und jeder Blick auf das falsche Körperteil zur falschen Zeit zum Sexismus hochstilisiert wird. Es wird nicht mehr differenziert und damit jede ernsthafte Diskussion im Keim erstickt. Es nervt, weil diejenigen degradiert werden, die tatsächlich Opfer sexistischer Übergriffe werden und die sich nun einreihen müssen in die „Opfer“ von blöder Anmache. Sie gehen gerade unter in einem Meer von Banalitäten, die nichts weiter sind als das alltägliche Balzverhalten zwischen Mann und Frau.
Und es nervt vor allem deswegen, weil wir wieder im alten Täter-Opfer-Schema stecken, bei dem die Rollen von Anfang an klar verteilt sind. Mann Täter. Frau Opfer. Eine Neuauflage des Opfer-Abos.

Und um es noch einmal klar zu stellen: Alles hier gesagte gilt natürlich ebenso für halbnackte, pubertäre Six-Pack-Fetischisten. denen die Jeans unter der Unterhose hängt, aber von denen wird als Mann natürlich erwartet, dass sie mit solchen Anmachen leben können ohne gleich Hollaback zu beauftragen, sie vor so doofen Anmachen zu schützen, wenn sie mal durch Stadtteile mit weniger wohlerzogenen Einwohnern wandern.