Männliche Privilegien

Wenn Feministinnen von der Herrschaft der Männer phantasieren, frage ich mich jedes Mal „Wie viele Männer können aufgrund ihres Berufes „Herrschaftsanspruch“ anmelden?“ In DAX-Unternehmen gibt es 192 Vorstandsposten. 176 von ihnen besetzen Männer. Okay, das ist eine sehr deutliche Männermehrheit. Bei 40.1 Millionen Männern in Deutschland ist es aber schwer den Anteil, den diese Zahl an der Gesamtheit der Männer hat, überhaupt lesefreundlich in Prozent auszudrücken. Grob aufgerundet sind das 0,0005%.

Wie demonstrieren die restlichen Männer, die vom Feminismus unterstellte privilegierte Position? Nach Aussage des »Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)« besetzen Männer 1105 Führungspositionen. Wow! immerhin schon 0,003% der gesamtdeutschen Männlichkeit. Dagegen stellen 445 Frauen in solchen Positionen das Patriarchat schon deutlicher in Frage, als bei den Vorständen der DAX-Unternehmen. Zugegeben: Das sind immer noch Verhältnisse, die, wenn man nur die Genderverteilung ansieht, einen an Benachteiligung glauben lassen könnten. Aber mal ehrlich: Klingt es wirklich nach Unterdrückung DER Frauen durch DIE Männer, wenn 0,003% der Männer in Führungspositionen 0,001% der Frauen gegenübersitzen?

fraueninführungspositionen

Wie manifestieren bitte die übrigen 99,996% das Patriarchat?

Wikipedia hat eine Liste von Frauenanteilen in der Berufswelt veröffentlicht. Man sieht dort deutlich, dass die wenigsten Berufen mit Männerüberschuss die Legende vom Patriarchat rechtfertigen.

Könige oder Bundeskanzler sind dort leider nicht mit übermäßigem Männeranteil gelistet. Selbst »GymnasiallehrerInnen« sind mit 61% Frauenanteil keine männliche Domäne mehr, um den armen Schulmädchen den Stempel der Unfähigkeit aufzudrücken oder ihnen einzureden, dass sie ja immer schön brav sein müssen.

Dagegen haben die 95,8% der KindergärtnerInnen, ebenso wie die 77,9 Prozent der RealschullehrerInnen mehr Möglichkeiten, den Knaben ihre Minderwertigkeit zu demonstrieren, was den höheren Jungenanteil an Schulabbrechern, Sonderschülern, ADHS-Patienten oder jugendlichen Selbstmördern erklären könnte.

Berufsbildern mit weniger als 25% Frauenanteil sind vor allem Berufe wie »Kunststoffverarbeiter«, »Drahtverformer, -verarbeiter« oder »Gesundheitssichernde Berufe«. Letztere sind keine Pflegeberufe. Die Bezeichnung ist ein Euphemismus für »Desinfektoren, Schädlingsbekämpfer, Fleischbeschauer, Tierkörperverwerter, Leichenbestatter«.

Berufe mit dem Potential das Patriarchat zu beleben, sind in dieser Kategorie Ausnahmen. Bei kaum einer dieser 162 Berufsgruppen, käme eine Feministin ernsthaft auf die Idee eine Quote zu fordern. Ebenso würde niemand vermuten, dass eine gläserne Decke die Genderdiversität verhindert. Wir könnten eher unterstellen, dass das soziale Netz Frauen davor bewahrt, hier Arbeiten zu müssen. Der Frauenanteil unter den »Straßenreiniger, Abfallbeseitiger« ist 3,1 Prozent. Kein Beruf, mit einer so unterentwickelten Genderdiversity, strahlt das das Sexappeal eines Dax-Vorstandsposten aus.

Die meisten Männer verdienen ihren Lebensunterhalt mit dreckigen, anstrengenden und gesundheitsabträglichen Jobs. Da wundert es nicht, dass Männer mit 92 % die Statistik der tödlichen Arbeitsunfälle anführen.

Mit diesen Berufen lässt sich ein Machtgefälle  nur herbei fabulieren, weil viele von ihnen immer noch besser bezahlt werden. Dafür aber zum Verschwörungstheoretiker zu werden, der das Patriarchat dafür verantwortlich macht, ist wohl albern. Im Kapitalismus greifen einfache Mechanismen, wie Angebot und Nachfrage bei der Regelung der Einkommenshöhe. Wer glaubt, dass sich graue Männer, hier verschwören, um die Frauen mit 22% weniger Lohn abzuspeisen, dem ist vermutlich nicht zu helfen. Dieselben „grauen Männer“ fangen bei jeder Lohnverhandlung, wegen jedes Zentelprozentpunkts an zu weinen und das Ende unseres Wirtschaftswachstums zu prognostizieren. Gesetze oder Vorschriften die Frauen daran hindern diese Berufe ebenfalls zu ergreifen gibt es nicht.

Es wäre schön, wenn die Frauen, die sich ihr eigenes Scheitern mit der Patriarchatslegende schön reden wollen, endlich mal einsehen, dass die Grenze nicht zwischen den Geschlechtern verläuft, sondern zwischen den oberen 0,004% und dem Rest der Bevölkerung. Dann würde Mann sich auch vielleicht auf #HeForShe einlassen.

Und jeder Frau, die gerne das gleiche Geld verdienen will wie ein Mann, steht es frei, die Selbstverwirklichung hinten an zu stellen, sich einfach einen gut bezahlten Job zu suchen und sich für die Familienplanungen nicht mehr einen besser verdienenden Partner auszuwählen. Dann kann der Mann beim ersten Kind ebenso zu Hause bleiben, ohne die Familie zu ruinieren.

Eines hat die CEO von Facebook Sheryl Sandberg wunderbar erkannt:

„Die wichtigste Karriereentscheidung, die eine Frau trifft, ist, ob sie einen Lebenspartner haben will und wer dieser Partner ist. <…> Ich kenne nicht eine einzige Frau in einer Führungsposition, deren Lebenspartner ihre Karriere nicht voll – und ich meine voll – unterstützt.“

Und solche Männer gibt es inzwischen durchaus nicht selten liebe Frauen. Solange ihr euch aber lieber einen von denen aussucht, mit denen ihr euch später rechtfertigen könnt, warum ihr armen, armen Frauen, ja soviel schlechter da steht als irgendein x-beliebiger Mann, solange kann auch der Gesetzgeber nicht helfen.

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2 Gedanken zu „Männliche Privilegien

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