Selber Schuld

Von alten Glucken und neuen Vätern

Seien es nun Feministinnen oder „Neue Väter“, die das Glück einer kooperativen Partnerin haben: Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass eine Titelgeschichte wie der letzte Väter-Titel des Spiegels Vorwürfe provozieren, dass Männer, doch selber schuld sind, wenn sie das aufregendste im Leben verpassen. Die Beziehung zu ihren Kindern.

Ist ja auch sonst nicht so, dass Männer bei jeder Gelegenheit gesagt bekommen, dass sie selber Schuld an ihren Problemen sind.

Auch bei ihren Problemen in der Familienkonstellation bekommens sie das bei jeder Gelegenheit gesagt. Nun hat sich auch die Brigitte als Verteidigerin der Ehre armer Mütter in die Bresche geworden und quasi als Antwort auf dem Maternal Gatekeeping-Artikel des Spiegels die übliche Antwort präsentiert. „‚Nur MAMA!‘ Wenn Väter sich selbst zum Nebendarsteller degradieren„.

Aber während einige Papas danach zu wahren Helden mutieren, bekommen andere nicht mehr als eine kalte Schulter. Oft sind sie selbst schuld, findet unsere Autorin.

https://www.brigitte.de/barbara/leben/-nur-mama—wenn-vaeter-sich-selbst-zum-nebendarsteller-degradieren-11514936.html

Um es vorweg zu sagen: Natürlich gibt es auch diese Väter. Es gibt diese Männer, die eigentlich nur deshalb Vater werden, weil Frau sie für attraktive finanzierer des eigenen Familienwunsches halten. Männer die lieber 60 Stunden pro Woche an der Karriere arbeiten, als Windeln zu wechseln oder abends Geschichten vorzulesen, aber es ist eigentlich überflüssig, ihnen einen Artikel zu widmen, denn diese Männer tun meist was Frau von ihnen erwartet hat und das Klagelied, dass Frau hier alleine die „Mental Load“ der „Care Arbeit“ trägt ist wohl eher Ausdruck des schlechten Gewissens, weil man sich seinen Partner, nach äußerst stereotypen Kriterien ausgesucht hat.

Letztendlich sind diese Klagelieder Ausdruck der Verweigerung der eigenen Verantwortung. Ebenso wie es die Verweigerung der Eigenverantwortung solcher Männer ist, wenn sie nach der Trennung sagen, sie dürfen keine Bindung zu ihren KIndern aufbauen. Allerdings klagen darüber die wenigstens Karrieristen die mir bislang über den Weg gelaufen sind. Meist machen die das eher wie mein eigener Vater, und suchen sich eine neue Partnerin, und versuchen die Unterhaltslast niedrig zu halten, um mehr Geld für ihr zweites Familienfranchise zu haben.

Gründe, warum Väter weniger Elternzeit nehmen

Als ich im Zusammenhang mit dem letzten Spiegel-Titel wieder über meinen Artikel „6 Gründe, warum Väter weniger Elternzeit nehmen“ stolperte, stellte ich fest, dass dieser Artikel auch heute mit seiner Problembeschreibung noch aktuell ist. Diskussionen über diese vermeintlich „unengagierten“ Väter, die vor der Geburt mehr Vater sein wollen, als sie es nachher sind, wäre wesentlich interessanter und zielführender. Denn hierbei geht es nicht nur um das Phänomen „Vater von Mutters Gnaden“ oder Maternal Gatekeeping, sondern letzendlich darüber, warum in unserer Gesellschaft auch 45 Jahre nach offizieller Abschaffung der Hausfrauenehe das Familien- und Abstammungsrecht immer noch so wirkt, als lebten wir in den 60ern.

Gemeinsames Sorgerecht von unverheirateten Vätern erfordert immer noch die Zustimmung der Mutter oder den Gang vor Gericht, weil die SPD-Ministerin für Familie und Justiz Vätern lieber unterstellt, sie wären potenzielle Vergewaltiger.

Und bei der gleichberechtigten Betreuung nach der Trennung unterstellt die Grüne Familienanwältin Katja Keul im Bundestag interessierten Vätern lieber, es ginge ihnen ja nur um das Einsparen des Unterhaltes.

Der Artikel der Brigitte ist leider ebenso eine Ansammlung von Klischees.

„Kleine Utopie: Morgens im Kindergarten unterhalten sich zwei abgehetzte Väter über ihre schlimme Nacht. Sie verabreden sich für den nächsten Samstag, damit die Kleinen miteinander spielen können. 

Warum das eine Utopie ist? Allein schon, weil ich fast noch nie zwei Väter gleichzeitig im Kindergarten gesehen habe.“

Man muss Muss schon einen Kindergarten im Mütterzentrum von Kreuzberg ausgewählt haben, um diese peinlichen Rollenklischees zu erleben, die sie beschreibt.

Zugegeben bei meinen mittlerweile erwachsenen Kindern war das am Anfang des Jahrtausends vielleicht noch eine Seltenheit, aber heute bei meiner Tochter habe ich regelmäßig mehrere Väter gleichzeitig im Kindergarten, die ihre Kinder hinbringen und ja es ist keine Utopie, dass die anschließend auf dem Parkpatz stehen, reden und sich irgendwann erinnern, dass sie ja auch noch arbeiten müssen. Aber vielleicht passiert das eher, wenn man sich keinen esoterischen Kindergarten mit Namen „Zauberwald“ für seine Kinder aussucht, der hauptsächlich den Müttern meiner Nachbarschafft gefällt, sondern einen Bewegungskindergarten, wo erstaunlich wenig Mädchen anmeldet sind und auch der Anteil männlicher Betreuer den von weiblichen CEOs im DAX deutlich übersteigt. Da fühlen sich dann plötzlich Väter ebenso wohl wie meine kleine Tochter.

Und besonders niedlich wird Miriam Kühnel, wenn sie zum Thema Maternal Gatekeeping kommt und Männern den grandiosen Vorschlag macht:

„Väter, fordert euch Alleinezeit ein

Ich sehe ein, dass viele Mütter nicht gerade hilfreich sind, wenn es darum geht, loszulassen und den Partner machen zu lassen. Die weibliche Arroganz in Sachen Kindererziehung ist manchmal haarsträubend und da schließe ich mich explizit mit ein. Aber ich sag mal so: Das Wahlrecht haben wir Frauen uns auch selbst erkämpft. Also los Männer, fordert euren Freiraum mit den Kindern ein. Schickt uns zum Yoga, geht mit den Kindern zum Zahnarzt und zum Turnen, macht einen Vater-Kind-Kurztrip, haltet die Mütter eurer Kinder davon ab, sich einzumischen, wenn ihr mit den Kindern einen Konflikt austragt“

Es spricht für sie, dass sie die Selbstreflexion besitzt, sich selber von der „weiblichen Arroganz in Sachen Kindererziehung“ nicht auszunehmen, aber leider ist der Rest leider ziemlicher Unfug, abgesehen davon, dass man mit diesem Tenor auch genauso gut Antiquoten-Artikel formulieren könnte. Frauen müssen sich halt einfach nur mal in den Firmenhierarchien durchsetzen und sich die CEO-Posten schnappen. „Wenn ihre nur wollt, braucht ihr keine Vorstandsquote. Setzt euch doch einfach mal durch“

Eigenleistung Frauenwahlrecht

Abenteuerlich wird es, wenn Frauen in Deutschland davon träumen, dass rebellierende Feministinnen gegen das unterdrückende Patriarchat das Frauenwahlrecht durchgesetzt hätten. Das ist schon im Heimatland der Suffragetten (wo bis 1918 auch die Hälfte der Männer nicht wählen durfte) eine ziemlich naive Geschichtsschreibung, aber in Deutschland ist diese Idee völlig absurd. Nicht nur, dass die Demokratie im deutschen Kaiserreich eher ein Placebo war, als dass hier durch die Wählerstimmen tatsächliche Machtoptionen geschaffen wurden. Das Thema Frauenwahlrecht war eines, welches der alte weiße Mann unter den Parteien – die SPD – schon 1891 im Erfurter Programm verfolgte, als sie die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung für Frauen forderte. Also 17 Jahre bevor in Deutschland Frauen überhaupt Mitglieder in Parteien werden konnten. Ähnlich verhielt es sich auch mit den meisten feministischen Errungenschaften der 70er. Der § 218 und die Abschaffung der Hausfrauenehe, Scheidung nach dem Zerrüttungsprinzip wurden von einem Bundestag beschlossen, dem zu 95 % Männer angehörten.

Insofern ist der Verweis auf „feministische“ Errungenschaften wie das Frauenwahlrecht eher unangebracht, denn schon damals galt, dass Gleichberechtigung nur dann realisiert wurde, wenn sie genug Sympathien von dem privilegierten Anteil der Bevölkerung bekamen. Und im Familienrecht sind es leider die Frauen, die momentan krampfhaft an ihren Bevorzugungen klammern. Nicht umsonst werden unverheiratete Mütter auch heute noch bei der Abgabe der Sorgerechtserklärung für den Vater gewarnt, sie würden damit die alleinige Kontrolle über „ihr“ Kind aufgeben.

Aufforderungen wie „Männer setzt euch doch mal durch“ befördern hier eher die alten Rollenklischees vom Mann, der keine Hilfe oder Unterstützung braucht. Während wir bei Frauen seit 20 Jahren nur noch ausreden suchen, warum die rechtliche Gleichstellung immer noch nicht zur „Geschlechtergerechtigkeit“ geführt hat, zelebrieren wir hier den Typus Mann, der sich selbst bei rechtlicher Benachteiligung gegen jedes Hindernis durchsetzen kann, wenn er denn nur will. Denn das drückt das „selber Schuld“ aus, welches neue Väter und alte Glucken den unsicheren Männern entgegenschleudert. Wir tun bei Männern so, brauchten die nicht einmal eine rechtliche Gleichstellung um ihr selbstbestimmtes Leben zu gestalten, gegen alle Widrigkeiten selber zu gestalten. Klingt für mich nach dem perfekten Typen, den man für jeden Vorstandposten möchte.

Mit diesem Sexismus, zementieren wir genau diese Rollenmodelle, weil man so tut als wäre der Rollenwechsel für Männer ja ein Klack und als bräuchte er eben nicht die Unterstützung der Mutter und des Gesetzgebers, um vielleicht einmal frei bestimmt seinen Weg zu gehen. In der Realität wird die Glucke, der er sagt „Geh mal zum Yoga und lass mich machen“ sich nicht wirklich ernst genommen fühlen. Und machen wir uns nichts vor: Es ist sehr zu bezweifeln, dass die Wohnung nach seinen ersten 6 Stunden Alleinbetreuung genauso geleckt aussieht wie sie es mit ihrer Monatelangen Routine hinbekommt. Insofern produziert sie sich ihre selbsterfüllende Prophezeiung, wenn sie ihm dann tatsächlich mal ihm das Feld überlässt. Insofern ist es einfach Falsch hier nur das Versäumnis beim Vater zu sehen, solange sie nicht in der Lage ist Toleranz aufzubringen, beziehungsweise sich einzugestehen, dass es ihr Anspruchsdenken ist, welches verhindert, dass sich bei ihm die Routine einstellt.

Ebenso wie es bei den Frauen, die für ein Freies und selbstbestimmtes Leben gekämpft haben, niemals zu einer Gleichberechtigung gekommen wäre, wenn nicht genug Männer, dieses Bestreben ebenso ernst genommen hätten, wird es auch mit einer selbstbestimmten Entscheidung des Mannes zwischen Kind und Karriere nichts werden, solange Frauen ihre Rechtenicht genauso bereitwillig teilen wollen, wir die Pflichten.

Wortmonster „Care-Arbeit“

Erstaunlicherweise sind es genau die Parteien, die ein Wortmonster wie die Care-Arbeit in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeführt haben, die von Mental Load und Geschlechtergerechtigkeit faseln, und die sich am vehementesten dagegen wehre, dass die weiblichen Privilegien im Familienrecht abgeschafft werden. Es sind genau die Frauen, die dem höheren Steuersatz für ihren Teilzeitjob im Ehegattensplitting hinterherweinen, auch wenn das Familieneinkommen dadurch steigt, die sich am meisten dagegen wehren, dass Väter nach der Trennung als gleichberechtigte Elternteile behandelt werden. Die Ausrede, dass die in der Beziehung nicht die Hauptbezugsperson waren, wird als Vorwand genommen, um die diese Rollenverteilung auch bis zur Rente zu zementieren. Und es sind ausgerechnet jene Frauen, die sich über Gender Pay und Gender Pension Gap beschweren – wie die ehemaligen Familien und Justizministerin Katarina Barley -, die es unzumutbar finden, und einer Mutter nach der Trennung zu erwarten, dass sie selber wieder ihr Einkommen und ihre Rentenpunkte verdient.

Nein, wer Gleichberechtigung für Frauen will, muss ebenso Männer dabei unterstützen, dass diese ebenso ihre freie Entscheidung zwischen Familie und Karriere treffen können. Der darf nicht ihre Probleme bagatellisieren, die sie haben, wenn es um einen Rollenwechsel geht. Und der sollte sich genauso vehement gegen jene Feministinnen und Mutterrechtlerinnen aussprechen, die die ihre Ahnungslosigkeit in Biologie und Psychologie dadurch zu Schau stellen, dass sie Väter zu Samenspendern und Unterhaltszahlern degradieren wollen und der Vaterrolle ihre Bedeutung für das Kindeswohl absprechen.

Und ja, Männer brauchen dabei durchaus Unterstützung, denn das ist etwas, was die meisten von ihnen leider nicht aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Es sind auch heute leider zu wenige Kinder mit einem positiven Vatervorbild aufgewachsen. und gegenwärtig pflanzt sich dieses Defizit bei den meisten Trennungskindern ungehindert fort. Das ist leider nichts wofür sie selber Schuld haben.

2 Kommentare zu „Selber Schuld

Gib deinen ab

  1. „Also los Männer, fordert euren Freiraum mit den Kindern ein. Schickt uns zum Yoga, geht mit den Kindern zum Zahnarzt und zum Turnen, […]“

    Ich bin noch fortschrittlicher. Ich habe meine Zeit mit den Kindern gefordert und meine Frau ARBEITEN geschickt (nix Yoga)…

    Gefällt 1 Person

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