Warum nicht gleichberechtigt erziehen?

oder der Wunsch nach verlustfreier Fortpflanzung

Spiegel Online veröffentlicht vor einiger Zeit eine Studie nach der „Frauen in Deutschland nach Elternzeit meist deutlich schlechter bezahlt werden.

„… verdienen Frauen, die sich mehr als ein Jahr Auszeit nehmen, durchschnittlich knapp zehn Prozent weniger pro Stunde als ihre Kolleginnen ohne Kinder. … Demnach beträgt das Minus selbst dann noch 6,5 Prozent, wenn Frauen weniger als ein Jahr in Elternzeit gehen. 

Mittlerweile hat auch die FAZ nachgeschoben und festgestellt, dass Frauen ohne Kinder 40 % mehr in ihrem Arbeitsleben verdienen als Frauen mit einem Kind und sogar 70 % mehr als eine Frau mit drei Kindern oder mehr.

70%

Ich frage mich, worüber man sich mehr wundern soll. Darüber, dass alle so tun, als sei es eine überraschende Erkenntnis, dass Frauen, die aus der Elternzeit zurückkehren, in Deutschland schlechter verdienen, als ihre kinderlosen Kolleginnen oder, dass die AutorInnen der Studie nicht die Transferleistung erbringt, mal die Frage zu stellen, ob wir hier vielleicht endlich mal die Erklärung des großen Mysteriums „bereinigten Gender Pay Gap“ gefunden haben und die Erklärung warum sich dieser in Deutschland so lange hält. Trotz aller Quoten und Gleichstellungsmaßnahmen. Dass dieses Problem im Ausland meist weniger stark vorhanden ist (mit besonderer Erwähnung von Schweden, wo dieses Phänomen überhaupt nicht messbar ist) wundert wirklich jemanden? Hat niemand die Diskussion über den F.D.P-Vorstoß zum Wechselmodell verfolgt?

Ich vermute, es ist eine bequemere Ausrede sich an die Verschwörungstheorie vom Patriarchat zu klammern, wo sich die grauen Herren im stillen Kämmerlein verabredet haben, um Frauen den Rechten Lohn vorzuenthalten und Männern aus Solidarität halt 20 % mehr zu geben, ohne einen Mehrwert zu erhalten. Klingt auch irgendwie plausibler.

„Den Autorinnen der Studie zufolge betrachten viele Arbeitgeber Mutterschaft als Ausdruck fehlender Karriereorientierung. In anderen Ländern sei das mitunter nicht der Fall. So habe Mutterschaft in Schweden so gut wie keine negative Auswirkungen auf die Löhne von Frauen. “

Mutterland Deutschland

Wir leben in Deutschland. Dem Land, wo die Mutter nicht erst seit Adolf Hitler die Ikone des Familienlebens wurde. Heute gibt es hier Feministinnen wie Antje Schrupp die zusammen mit Mütterlobbyverbänden das bedingungslose Grundeinkommen für Mütter fordern, damit diese sich vom Vater ungestört mit der Verwirklichung ihres Familien-Ego-Projektes beschäftigen können. Wer solche Feministinnen hat, kann seine wütenden alten weißen Männer in Rente schicken. Dank der Feministinnen des 21. Jahrhundert, braucht man keine Penisträger mehr um die Gleichstellung in der Berufswelt zu torpedieren. In Länder wie Schweden würde sich auch keine amtierende Justizministerin im Fernsehen zur Kinderbetreuungsfrage so peinlich gleichberechtigungsfeindlich äußern, wie Katarina Barley seinerzeit in den Tagesthemen zum „Leitbild Wechselmodell in Deutschland“.

Sie hält es ein Leitbild Wechselmodell für unrealistisch, weil man eine Mutter nicht zwingen könnte, wieder selber ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Wundert sich jemand darüber, dass sich bei Arbeitgebern der Verdacht einschleicht, dass Kinderkriegen in Deutschland ein Ausdruck mangelnden Karrierewillens ist? Wenn Frau sich schon in der Ehe darauf verlassen hat, dass ihr Mann alles verdient, was sie so zum Leben braucht, wann will man denn sonst die guten Frauen überreden, etwas gegen die Gender Pension Gap zu tun? 10 Jahre vor der Rente? Wenn die Kinder aus dem Haus sind? Der Versorgungsausgleich, wo sie die Hälfte der Rentenpunkte ihres Partners bekommt, reicht schließlich nur bis zum Ende der Ehe.

Gleichberechtigung ist keine Einbahnstraße

Wenn eine feministische Ex-Justizministerin meint, Gleichberechtigung im Familienrecht kann es nicht geben, weil wir eine Hausfrau und Mutter doch nicht zwingen können nach der Trennung ihr eigenes Geld zu verdienen, dann kann man schon Heuchelei unterstellen, wenn die gleiche Frau sich am Equal Pay Day über die Konsequenzen dieser Haltung aufregt, und wahrscheinlich bekommt sie oder ihre Nachfolgerin auch bei dieser Studie ganz feuchte Äuglein und schwadroniert lieber von Benachteiligung der Frauen.

„Denn erst, wenn Familie auch für Männer zum Karriererisiko wird, wird sie aufhören überhaupt ein Karriererisiko zu sein.

„Böse alte weisse Heteros“
https://sexismusbeauftragter.wordpress.com/2018/07/12/boese-alte-weisse-heteros/#more-4774

Die Wahrheit dieser Aussage zeigt sich genau in der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung oder in der etwas älteren Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Wenn wir uns das – in dem Spiegelartikel lobend hervorgehobene – Schweden mal mit der Entwicklung, von Sorgerecht und gemeinsamer Kinderbetreuung ansehen, dann stellen wir fest, dass man dort ERST die Gleichberechtigung der Eltern zum Standard gemacht hat, bevor man sich darüber beschwert hat, dass Frauen alleine mit der Aufgabe der Kinderbetreuung da stehen.

Grundsätzlich sind Menschen mit Familie, glaube ich, sehr gerne auf dem Arbeitsmarkt gesehen, denn sie sind meist sehr loyal, weil sie seltener Lust haben sich einen neuen Job zu suchen, wo plötzlich längere Fahrtzeiten oder Umzüge notwendig sind. Ich erlebe das bei mir. Ich schlucke lieber ein paar Kröten in einem Projekt, bei dem ich weiß dass es im Einzugsbereich liegt und ich meine Tochter jeden Abend ins Bett bringen kann, als Projekte zu wählen, die besser bezahlt sind, vielleicht auch technisch interessanter, wenn ich dafür anfangen müsste zu pendeln. Bei Familienmenschen hängt mehr daran, als nur den Kaffeebecher und die Zahnbürste einzupacken. Wer einmal das Problem hatte, sich einen einigermaßen anständigen Kindergarten zu suchen, der mehr als nur eine Verwahranstalt für den Nachwuchs ist, der kann sich das Ausmaß vorstellen, den ein Jobwechsel für einen Familienmenschen bedeutet.

Natürlich gibt es Nachteile. Sie müssen sich gelegentlich um kranke Kinder kümmern sind weniger flexibel ist, mal für längere Zeit für ein Projekt ins Ausland gehen, und lassen pünktlich den Stift fallen, um die Kinder aus dem Kindergarten abzuholen. Aber diese Nachteile wiegen die Vorteile in der Regel auf und wenn dann lasten sie in der öffentlichen Wahrnehmung nur auf einem Paar Schultern: Den Weiblichen. Das Familie in Deutschland so unterschiedliche Konsequenzen im Arbeitsmarkt haben hat hauptsächlich zwei Gründe.

1.) Ungleichbehandlung von Müttern und Vätern im Familienrecht und bei den Trennungsinstitutionen.

Problematisch für die Karriere von Frauen ist, dass das deutsche Familienrecht spätestens nach der Trennung immer noch auf die Hausfrauen/Versorger-Ehe fixiert ist, die der Gesetzgeber eigentlich 1976 abgeschafft hat. Während die Frau 1976 das Recht gewonnen hat, Arbeiten zu gehen, ohne, dass ihr ein Mann ein Strich durch die Rechnung machen konnte, haben wir Männern in dieser Zeit nicht das gleiche Recht in Bezug auf die Kindesbetreuung gegeben. Nach der Ehe gilt, was meist schon während der Ehe gilt, einer betreut und einer bezahlt, und in den meisten Beziehungen entscheidet die Frau, wer welche Rolle übernimmt.

Da das Schuldprinzip abgeschafft würde, ohne die Gleichberechtigung im Sorgerecht genauso vehement voranzutreiben, war der sexistischen Rollenverteilung nicht nur in der Ehe, sondern vor allem auch im Falle der Trennung seit den späten 70ern Tür und Tor geöffnet. Von unverheirateten Vätern brauchen wir hier gar nicht zu reden, die waren vor 1998, als das Umgangsrecht eingeführt wurde, vollkommen rechtlos. Gemeinsames Sorgerecht als Standard – wie es das in Schweden bei verheiratete und unverheiratet Eltern seit 1974 gab – wurde in Deutschland bei verheirateten Eltern erst 1998 eingeführt. Unverheiratete Väter konnten lange Zeit gar keine Rechte anmelden, wenn die Mutter nicht wollte. Die Option haben wir erst seit 2013 ins Gesetz geschrieben.

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Das alleinige Sorgerecht bekam man als Mann sowieso nur, wenn bekannt wurde, dass die Mutter schwere Alkoholikerin war oder in der Privatwohnung ein Bordell betrieb. Gegen den Willen der Mutter gar ein Wechselmodell anzuordnen, was im viel gepriesenen Schweden seit 1996 Standard ist, traute sich vor 2017 kaum ein Richter und selbst das BGH – in seinem Urteil vom Februar 2017 – steht noch weit hinter dem Zurück, was andere Länder schon als Trennungsstandard haben.

Eine gerichtliche Umgangsregelung, die im Ergebnis zu einer gleichmäßigen Betreuung des Kindes durch beide Eltern im Sinne eines paritätischen Wechselmodells führt, wird vom Gesetz nicht ausgeschlossen. Auch die Ablehnung des Wechselmodells durch einen Elternteil hindert eine solche Regelung für sich genommen noch nicht. Entscheidender Maßstab der Regelung ist vielmehr das im konkreten Einzelfall festzustellende Kindeswohl.“

BUNDESGERICHTSHOF BESCHLUSS XII ZB 601/15
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=77519&pos=0&anz=1

Nach der Trennung liegt die Betreuung der Kinder in der Regel bei der Mutter. Solange sich die nicht als Alkoholikerin outet, sind die Chancen des Vaters auf das Aufenthaltsbestimmungsrecht minimal. Und dass in Deutschland bei Kommunikationsunwillen der Mutter irgendein Richter die Weisheit des Richters aus Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ an den Tag legt, ist ein absoluter Ausnahmefall. Bei Brecht war es übrigens auch die biologische Mutter die aus reiner Geldgier ihr Kind zu zerreißen drohte.

Gerade letzteres schafft für Unternehmen eine Situation, wo die Beförderung von jungen Männern bei annähernd gleicher Qualifikation das einzig vernünftige Entscheidung ist. Denn die Regelungen im deutschen Familienrecht und der Sexismus in den Behörden, die die Trennung verwalten, sorgen für eine Situation wo 90 % der Alleinerziehenden Frauen sind.

Da muss die Bewerberin schon unschlagbare Qualifikationsvorteile haben, um in Betracht zu kommen.

Sprich: Während der Beziehung kompensieren Männer meist mit ein paar Überstunden den Einkommensverlust der Partnerin und nach der Beziehung, da sollen sie doch bitte nach Vorstellung des Alleinerziehendenverbandes VaMV und der ehemaligen Justizministerin Katarina Barley damit weitermachen? Mal ehrlich: Wen würden Sie dann für einen Zeitintensiven Karrierejob in ihrem Unternehmen in Betracht ziehen?

Eine Trennung ist ja kein Tabula rasa, sondern sollte an das anknüpfen, was Eltern vorher gelebt haben. Und es ist weiterhin so, dass Paarfamilien viel traditioneller leben, als die Diskussion uns denken lässt.

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/eds-streit-wechselmodell-100.html

2.) Herdprämie 2.0 (Elterngeld)

Frauen suchen sich auch 40 Jahre nach der rechtlichen Gleichstellung im Berufsleben in der Mehrheit Partner aus, die Besser verdienen. Und ein Blick auf die Elternzahlen von 2012 zeigt, wie sich diese Partnerwahl in der Realität auswirkt. Die männlichen Elterngeldbezieher im Durchschnitt 660 € mehr verdienen. Während die Zeit seinerzeit so tat, als müsse das doch ein Ansporn sein, das mehr Eltern Elternzeit nehmen, ist es leider in der realen Welt, wo das Familieneinkommen meist sehr genau verplant ist ein Nachteil, weil die Differenz zum Maximaleinkommen somit 220 Euro höher wird. Und das nur im Optimalfall, wo das Einkommen des Mannes die gläserne Erziehungsdecke von 2500€ einkommen nicht überschreitet, denn das Elterngeld, das ohnehin nur 2/3 des Einkommens kompensiert, ist bei 1800€ gedeckelt. Ein Mann der 3.600 € Netto verdient verliert somit die Hälfte seines Einkommens. Ein Abteilungsleiter mit 5000 € Netto verliert fast 2/3 seines Gehalts, wenn er lieber Windeln wechselt. Glauben sie, dass der dann – falls überhaupt – mehr als die 2 Standardmonate macht? Selbst bei 3.000 € macht sich der Unterschied schon schmerzhaft bemerkbar. Bei einem ambitionierten Akademiker ist das fast ein Einstiegsgehalt. Alles, was er darüber hinaus verdient, wird ignoriert und wenn Frauen im Schnitt mit 29 ihr erstes Kind bekommen und Partner haben, die in der Regel zwei Jahre älter sind, dann hat er mit 31 bestimmt schon ein paar Karriereschritte gemacht.

Das Elterngeld, welches die Rot/Grüne-Koalition 2007 ins Leben gerufen hat, könnte also auch „Herdprämie 2.0“ heißen, denn durch seine Beschränkungen schaffte es einen Rahmen, in dem der Besserverdiener – meist den Mann – schon aus finanzieller Notwendigkeit von einer längeren Kindesbetreuung ferngehalten wird, denn die Gehaltsunterschiede zwischen den Partnern werden durch das Elterngeld noch verschlimmert. Die Rolle des Mannes als Versorger wird also noch forciert. Man braucht hier nur mal die Regelungen aus Schweden in den Vergleich zu setzen, um zu zeigen, wie man stereotypen Rollenmustern entgegenwirkt.

Kleiner Sidefact: Schweden hat man übrigens kein Frauenministerium. Gleichstellungsthemen werden dort Geschlechtsneutral vom Jämställdhetsminister, dem „Gleichheitsminister“ behandelt, der im Bildungsministerium angesiedelt ist. Schweden hat auch keinen Mutterschutz wie in Deutschland. Es hat allerdings als erstes Land 1974 das Elterngeld eingeführt und, wenn man sich die Regelungen ansieht, merkt man deutlich, dass sich die Regierung des Problems der besser verdienenden Väter bewusst war. Elterngeld gibt es dort 480 Tage, von denen jeweils 60 Tage EINEM Elternteil zustehen. Der Rest kann frei aufgeteilt werden und das Beste ist: Für 390 Tage werden 80 % des Lohnes gezahlt (Bei der Einführung des Elterngeldes waren es sogar 90 %, was zum Überwinden der männlichen Hemmschwelle sicherlich hilfreich war). Der Maximalbetrag ist dabei 80 Euro pro Tag also ca. 2400 Euro Pro Monat und 90 Tage gibt es dann noch einmal unabhängig vom Einkommen ca. 480 €. Wenn man das einmal auf die Einkommen eines etwas besser verdienenden Akademikerpaares hochrechnet, ist es nicht verwunderlich, dass Schweden mit 42 % männlicher Elternzeitquote in Europa Spitzenreiter ist, denn in Schweden macht es kaum einen Unterschied, ob der Vater zu Hause bleibt oder die Mutter. Selbst wenn man den durchschnittlichen Einkommensunterschied von 660 € voraussetzt.

Bei einem Paar bei dem der Mann 3.000,- € Netto verdient und die Frau 2.340,- €, verliert das Deutsche Paar mindestens 780,- €, wenn die Frau nach der Geburt zu Hause bleibt. Das macht als 15 % der vor der Geburt zur Verfügung stehenden 5.340,- € aus. In Schweden ist der Verlust mit 470,- € deutlich geringer. Noch schlimmer wird es aber, wenn der besser verdienende Vater zu Hause bleibt. In Deutschland muss die Jungfamilie dann mit 1.220,- € (22 %) weniger Einkommen über die Runden kommen. Die schwedische Familie verzichtet bei der Elternzeit des Vaters mit 600,- € gerade mal auf die Hälfte davon und immer noch deutlich weniger in Deutschland die Elternzeit der Mutter kostet.

DeutschlandSchweden
Einkommen Mann3.000 €3.000
Einkommen Frau2.340 €2340 €
Elterngeld Mann1800 € (-40 %)2.400 (-20 %)
Elterngeld Frau1.560 € (-33 %)1.872 (-20 %)
Familieneinkommen ohne Kind5.340 €5.340 €
Familieneinkommen Frau in Elternzeit4.560 € (15 %)4.872 € (9 %)
Familieneinkommen Mann in Elternzeit4.140 € (-22 %)4.740 (11%)

Der Unterschied, ob Vater oder Mutter Zuhause bleibt, macht sich in Schweden mit 130 € keinen großen Unterschied. Er beträgt gerade mal 2 % des maximal erreichbaren Familieneinkommens, wenn man das Kind nicht umgehend in die Ganztagsbetreuung abschiebt.
In Deutschland hingegen schlägt die Elternzeit des Vaters mit knapp 13 % zu Buche.

Da verwundert es wenig, dass Schwedens Väter mit 42 % Spitzenreiter in der Nutzung der Elternzeit sind.

Noch beeindruckender wird es, wenn man sich die Regelung mit 90% des Nettogehaltes ansieht, mit welcher Schweden in der Anfangszeit noch die Schwellenangst gesenkt hat.

DeutschlandSchweden
Einkommen Mann3.000 €3.000
Einkommen Frau2.340 €2340 €
Elterngeld Mann1800 € (-40 %)2.700 (-10 %)
Elterngeld Frau1.560 € (-33 %)2106 (-10 %)
Familieneinkommen ohne Kind5.340 €5.340 €
Familieneinkommen Frau in Elternzeit4.560 € (15 %)5106 € (6 %)
Familieneinkommen Mann in Elternzeit4.140 € (-22 %)5040 (4 %)

Ganz eherlich, wenn der Einkommensunterschied zwischen Väterlicher und Mütterlicher Elternzeit 66€ liegt, dann gibt es definition keinen Grund diese nicht paritätisch zu verteilen. Zwar mag der Durchschnittsverdiener die finanzielle Situation der Akademikerfamilien für ein Luxusproblem halten, aber gerade, wenn Familie gerade bei den gutausgebildeten Frauen so ein Karrierekiller wie in Deutschland ist und die Gleichberechtigungsorientierten Parteien jedes Jahr wieder ob der mangelhaften Frauenquote in Führungspostionen klagt, ist es vielleicht ganz sinnvoll sich auch hier einmal die Situation der besser verdienenden Familien anzuschauen. wenn die Hypothek für das Häuschen im Grünen allerdings mit mit 1200 € weniger einkommen finanziert werden muss überlegt man schon krampfhaft, ob die zwei Vaternmonate tatsächlich sein müssen.

Deutschland tut leider nicht viel, um hier einmal einen Geschlechterausgleich zu schaffen. Kein Wunder, wenn da die Gehalts- und Karrierelücke besonders deutlich nach dem ersten Kind aufklafft

Mit der Fixierung auf niedrigere Einkommen beim Elterngeld lohnt es sich in Deutschland bei den meisten Familien nur, wenn die Mutter in Elternzeit geht. Das lässt die traurige Bilanz der geringen Väterquote beim Elterngeld vielleicht etwas im anderen Licht da stehen. Es ist gerade nicht die mangelnde Lust oder Verantwortungslosigkeit, welche Vater von der Kinderbetreuung fern halten

Die Story im Ersten „Papa, trau dich!“

Wer einmal den hochinteressanten ARD-Film „Papa, Trau Dich“ über Väter in Elternzeit einmal ansieht, wird feststellen, dass die meisten dort vorgestellten Väter eher die untypischen Fälle sind, wo die Frau mehr verdient und nach der Geburt schnell wieder ihre Karriere aufgenommen hat. In meinen beiden Geburtskursen hatte ich genau ein Paar, auf welches diese Konstellation zutraf. Und in meinem Berufsleben war die einzige weibliche CFO eines NASDAQ-notierten Unternehmens ebenfalls in so einer Konstellation verheiratet.

Da bestätigt sich wieder Sheryl Sandbergs Zitat

Bildergebnis für sheryl Sandberg zitate the most important career decision

13 Kommentare zu „Warum nicht gleichberechtigt erziehen?

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  1. „Mit der Fixierung auf niedrigere Einkommen beim Elterngeld lohnt es sich in Deutschland bei den meisten Familien nur, wenn die Mutter in Elternzeit geht“

    Was meinste denn damit?

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    1. Damit meine ich, dass das Elterngeld eine typische SPD-Lösung ist. Schon mit der Tatsache, dass sie nur zwei Drittel kompensiert ist der Gleichstellungseffekte verpufft. Es zementiert es schon die Rollenverleitung, solange Frau im Schnitt immer noch Männer haben die deutlich mehr Verdienen, weil die meisten Familien schon aus wirtschaftlichen Gründen geneigt sein werden, den Verlust so gering wie möglich zu halten, und die Elternzeit schwerpunktmäßig vom schlechter verdienenden Partner machen zu lassen. Deshalb vermutlich auch bei den meisten Männern maximal die 2 Bonusmonate. Jene die sich das tatsächlich paritätisch aufteilen, sind vermutlich jene Minderheit, wo beide annähernd gleich verdienen. Nach den Zahlen der Elterngeldkasse von 2012 bekommen Männer im Durchschnitt 440 € mehr Elterngeld, d. h. der Familienkasse fehlt bei ihrer Elternzeit 220 €. Das sind knapp 10 %, des maximal möglichen Einkommens mit Elterngeld von 2415 € und die Zahlen verschleiern natürlich die tatsächlichen Einkommensunterschiede, weil jene bei denen der Abstand noch größer wäre meist gar nicht erst Elterngeld beantragen, denn wenn der Familienkasse plötzlich 1000 € und mehr fehlen, können (oder wollen) die meisten Familien damit gar nicht leben. In Schweden hat man dem Entgegen gewirkt, dass man anfangs 90 % (gegenwärtig immer noch 80 % des Gehaltes kompensiert).
      Das zweite große Problem ist in Deutschland die Deckelung bei 1800 €. Damit schaut man vor allem auf jene Familien die Durchschnittlich viel verdienen. 2018 war der Durchschnittslohn 3770 € Brutto, da macht in SK 4 ca. 2300 € Netto. Damit wäre man knapp unter der Deckelung des Elterngeldes. Es wird dabei aber nicht berücksichtigt, dass Männer in der Regel mehr verdienen als ihre Partnerinnen. Männer sind also weit eher unter den Menschen, die deutlich höhere Einschnitte beim Elterngeld in Kauf nehmen müssten. Bei meiner Frau war es z. B. nicht 1/3 was Wegfiel, sondern fast die Hälfte. Bei mir wäre es fast zwei Drittel. Je mehr du verdienst, desto schlechter ist dein Schnitt. In einer klassischen Familienkonstellation, wo sich ein Paar auf einen Lebensstandard eingerichtet hat, der auf zwei Volleinkommen basiert ist es schon eine Einschränkung, wenn ein zusätzlicher Esser dazu kommt, mit einem 33 % weniger in einem Einkommen auszukommen, aber wenn man dann auch noch auf 33 % oder 50 % des höheren Einkommens verzichten muss, fällt es schon schwer den Wert der Elternzeit zu sehen, wenn man dann statt Nutella den billigen Schuhcremeersatz vom Discounter kaufen muss, weil die Hypothek für die Schicke Altbauwohnung muss ja trotzdem beigebracht werden. In Schweden begegnete man auch dem Problem in dem man nicht nur einen höheren Anteil, sondern auch absolut mehr Elterngeld zur Verfügung stellt. Irgendwann später, wenn sich der Wert der Elternzeit im Volksbewusstsein verfestigt hat, kann man sicherlich an dem einen oder anderen Stellrad drehen, aber nicht zu Anfang, wenn man erstmal möchte, dass der Rollenverteilungstanker erstmal seinen Kurs ändert

      Eine kleine Korrektur oder Ergänzung zum Durchschnittseinkommen: Anfang 2020 war dieses 3.880 € und beim direkten Vergleich von Männern und Frauen ist es 3.964 € Butto (ca. 2.474,13 netto) bei Frauen 3.300 € (Netto 2.134,05)

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      1. Ist Dir bekannt, dass vor der Umstellung bzw. Einführung der Vätermonate Familien mit (tatsächlich) geringen Einkommen pro Kind ganze zwei Jahre lang 300 Euro monatliche Unterstützungsleistung erhielten? Dieser Gruppe wurden (als Einziger, alle Anderen profitierten) durch die Reform die Bezüge faktisch halbiert. Seltsame „Fixierung“?!

        „Nach den Zahlen der Elterngeldkasse von 2012 bekommen Männer im Durchschnitt 440 € mehr Elterngeld“

        Was eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist.

        Mehrfachmütter erhalten besonders häufig nur den Mindestsatz (weil die Geburtenabstände typischerweise eher gering sind), die dazugehörigen Väter stehen also leicht unter noch stärkerem Erwerbsdruck als vor Einführung des Elterngelds.

        Das Problem löst man imho nur, wenn man das neue Elterngeld zukünftig Einkommensunabhängig konzipiert.

        Am Ende jedes Trimesters sollte der Schwangeren/Mutter eine Prämie ausbezahlt werden im Gesamtwert des Bundesdeutschen Vorjahresnettos. Damit erreichte man alle Familien – auch die mit Selbstständigen (die mit den jetztigen, nachgeburtlichen Arbeitszeit/verdienstbeschränkungen wirklich viele Schwierigkeiten haben). Und keine wäre gegenüber jetzt schlechtergestellt, es gäbe endlich mal nur Gewinner.

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        1. Ok: das bundesdeutsche Vorjahresnetto ist vielleicht zu tief gegriffen und es sollte besser -brutto heißen. Was meinst Du?

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        2. Ja weiß ich, habe ich auch bei meinem zweiten auch nur 300 € und das Kindergeld für beide Kinder bekommen und ich habe trotzdem als Selbstständiger zwei Monate freigenommen, vor allem damit mein Sohn nicht hinten überfällt, während die Mutter auf seine Schwester fixiert war. Ich sage ja nicht, dass das Elterngeld an sich eine schlechte Idee ist, ich sage nur, dass es den Zweck verfehlt einen Wechsel der Rollenmodelle zu unterstützen, weil die Elternzeit der Besserverdienenden (in den allermeisten Fällen Männer) katastrophaler auswirkt. Beim zweiten Kind noch mehr, weil die Mutter in der Elternzeit meist noch weniger verdient hat. Das Problem habe ich mir meiner zweiten Frau jetzt auch gerade, wo wir über mein 4. und ihr 2. Kind nachdenken.
          Die Lösung ist nicht es einkommensunabhängig zu konzipieren. Wie soll das gehen? Alle bekommen einfach das einkommen eines Abteilungs- oder Bereichsleiters kompensiert? Man kann das nur verhindern, indem das Einkommen des Elterngeldempfängers möglichst Vollständig kompensiert, wie in Schweden, denn dann ist es egal, wer zu Hause bleibt, dann kann die Frau auch ihren schlecht bezahlten Job in der Galerie weiterverfolgen, während der Großverdiener Papa zu Hause bleibt. Das ist der einzige Weg, wenn man Rollenmodelle aufbrechen will und nicht einfach nur alleinerziehenden Müttern das Alleinerziehen noch attraktiver gestalten möchte. Bei deinem Vorschlag würden vermutlich diverse Hartz-IV-Empfänger Kinderkriegen zum Geschäftsmodell machen.

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        3. btw. was ist daran eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“? Wenn die vorher 660 € oder mehr im Monat mehr verdienen? Jedes Konzept, welches sich nicht an den tatsächlichen Einkommen der Elterngeldempfänger orientiert ist, ein Anreiz, um Kinder wegen der Subvention zu bekommen. Das kann nicht ernsthaft dein Ziel sein.

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        4. „Dieser Gruppe wurden (als Einziger, alle Anderen profitierten) durch die Reform die Bezüge faktisch halbiert. Seltsame „Fixierung“?!“
          Keine Ahnung, was du mir damit sagen willst. Dass es gemein ist, dass Hartz-IV-Aufstocker Elterngeld nur noch ein Jahr bekommen? Kann man so sehen. Ziel des Elterngeldes ist meiner Ansicht nach nicht Menschen, die Ohnehin von Transferleistungen leben zum Kinderkriegen zu ermutigen, sondern Familien, die ein Einkommen bekommen die Chance zu geben, sich um ihre Kinder zu kümmern, ohne dass Papa mit 10 Überstunden pro Woche Mamas komplettes Einkommen kompensiert. So können sie etwas Sparsamer leben und Papa bekommt auch als Vollverdiener noch etwas mehr von seinem Kind mit. Im Idealfall, wenn sie nicht ohnehin komplett auf sein Einkommen angewiesen sind, kann er sogar noch mal ein paar Monate komplett mit dem Kind verbringen.

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        5. „Ich sage ja nicht, dass das Elterngeld an sich eine schlechte Idee ist, ich sage nur, dass es den Zweck verfehlt einen Wechsel der Rollenmodelle zu unterstützen, weil die Elternzeit der Besserverdienenden (in den allermeisten Fällen Männer) katastrophaler auswirkt.“

          Ich würde die Finanzierungs- und die Care-frage hier gern seperat betrachten.
          Heißt: um die Väter zu mehr häuslicher Präsenz zu kriegen, würde ich ein anderes Mittel wählen als Transferzahlungen. Eine gleichberechtigte Väter-/Familienschutzzeit nämlich (wobei ich gleich dazusagen will, dass ich das Mutterschaftsgeld gedanklich ebenso streiche bzw. in die Familiengründungsprämie miteinfliessen lasse). Da ich Totalitarismus ablehne selbstverständlich mit Ausnahme. Sollte es einer werdenden/frischgebackenen Mama also wirklich unwichtig sein, ob der Kindsvater ihr in den Wochen vor und nach der Geburt mit voller Kraft rund um die Uhr unter die Arme greifen kann, könnte sie wirksam eine Verzichtserklärung unterschreiben.

          „Beim zweiten Kind noch mehr, weil die Mutter in der Elternzeit meist noch weniger verdient hat. Das Problem habe ich mir meiner zweiten Frau jetzt auch gerade, wo wir über mein 4. und ihr 2. Kind nachdenken.“

          Wie lang will sie zuhause bleiben, stillen, ihrem Körper ein bisschen Erholungszeit gönnen?

          „Jedes Konzept, welches sich nicht an den tatsächlichen Einkommen der Elterngeldempfänger orientiert ist, ein Anreiz, um Kinder wegen der Subvention zu bekommen. Das kann nicht ernsthaft dein Ziel sein.“

          Warum denn das individuelle und nicht wieder das Familieneinkommen zur Betrachtungsgrundlage machen?

          Im Extrem erhält ein Paar, wo beide Partner den Höchstsatz erreichen, schließlich 25.200 Euro Elterngeld – und die Arbeitereltern in systemrelevanten Berufen (häufig ohne Eigentum oder Rücklagen) bloß 3.600 Euro.
          Das ist ein unsäglicher Betrug und verstößt heftig gegen den Gleichheitsgrundsatz. Mich macht das wütend. Solidarität ist gefragt.

          „Keine Ahnung, was du mir damit sagen willst. Dass es gemein ist, dass Hartz-IV-Aufstocker Elterngeld nur noch ein Jahr bekommen?“

          Also soweit ich weiß, kriegen Hartz-IV-Empfänger keinen Cent Elterngeld. Oder Kindergeld. Die Corona-Hilfszahlung jetzt, die kriegen sie ausnahmsweise mal. Und ich wette, das liegt an Saskia Esken.

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        6. Du kannst die Finanzierungs und Care-Frage nicht getrennt betrachten, Das hat man vorher schon versucht und du Kannst Männer nicht zu Elternzeit zwingen, wenn die Familie damit pleite geht.

          Nein Stillen hat schon beim ersten mal nicht geklappt. Sie findet es ganz klassisch einfach sinnvoller sich um einen großartigen Menschen kümmern, als in Boardmeetings zu sitzen, wo ihr Jobs „Risikobewertung im Anlagenbau“ sowieso nur als Feigenblatt gesehen wird, welches ohnehin ignoriert wird, wenn der Kunde droht einen anderen Anbieter zu nehmen.
          Warum es keine sinnvolle Idee ist ein pauschales Einkommen fürs Elterngeld zu machen habe ich gesagt. Dann werden Hartz-IV-Empfänger Kinder zur Einkommensgrundlage zeugen. Systemrelevanz hier jetzt plötzlich zum Thema zu machen ist unangebracht. Wenn man meint, dass die zu wenig verdienen muss man das auf Tarifvertragsebene klären und dann damit leben, dass Pflege-Dienstleistungen für Normalverdiener vielleicht unbezahlbar werden.

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        7. „Du kannst die Finanzierungs und Care-Frage nicht getrennt betrachten, Das hat man vorher schon versucht“

          Was meinst Du damit?

          „und du Kannst Männer nicht zu Elternzeit zwingen, wenn die Familie damit pleite geht.“

          Tu ich doch gar nicht.
          Das Durchschnittsbrutto liegt ja jenseits der 45.000 Euro, wie Du wohl weißt? Damit ließen sich auf jeden Fall auch die zwei Monate Ausfall des Hauptverdiener-Lohns kompensieren.

          „Sie findet es ganz klassisch einfach sinnvoller sich um einen großartigen Menschen kümmern“

          Na und wie lang jetzt? Und zu welchem erwartbaren Elterngeldsatz? Der sich durch Deinen Vorschlag um wieviel Euro ca. erhöhen ließe?

          „Warum es keine sinnvolle Idee ist ein pauschales Einkommen fürs Elterngeld zu machen habe ich gesagt. Dann werden Hartz-IV-Empfänger Kinder zur Einkommensgrundlage zeugen.“

          Du glaubst nicht, dass die das jetzt schon täten? (Also jedenfalls geringstqualifizierte Frauen?)

          „Systemrelevanz hier jetzt plötzlich zum Thema zu machen ist unangebracht.“

          Ne, ist es nicht.
           
          „Wenn man meint, dass die zu wenig verdienen muss man das auf Tarifvertragsebene klären und dann damit leben, dass Pflege-Dienstleistungen für Normalverdiener vielleicht unbezahlbar werden.“

          Also m.E. ist die Heimunterbringung für verrentete Normalverdiener und ihre nächsten Angehörigen eigentlich bereits längst unbezahlbar geworden, aber das ist ja wieder ne andere Baustelle und erklärte auch nicht, mit welchem Recht der Staat die Geburt eines Kindes stark unterschiedlich bezuschusst.

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        8. „Was meinst Du damit?“
          Dass das aktuelle Elterngeld die Finanzierungsfrage ignoriert und die Verantwortlichen sich dann wundern, dass die Carefrage bei den Frauen hängen bleibt.

          „Das Durchschnittsbrutto liegt ja jenseits der 45.000 Euro, wie Du wohl weißt? Damit ließen sich auf jeden Fall auch die zwei Monate Ausfall des Hauptverdiener-Lohns kompensieren.“
          Ob man das kann, ist ziemlich egal, Klar kann das Ehepaar aus Krankenschwester und Chefarzt in seiner Elternzeit auch von Ihrem Geld leben. Aber wenn Du auf den guten Willen setzt wirst Du halt mit Deiner Erwartung, wie viele das dann tun, schwer enttäuscht werden. Die große Frage ist, ob das Paar das will, und damit verbunden: Warum suchen sich Frauen immer noch jemanden, der so deutlich viel mehr verdient, auch wenn sie seit 76 nicht mehr nennenswert in ihrer Berufswahl eingeschränkt sind und sie kurz danach auch bildungstechnisch gleich zogen haben und somit genauso gut den Familienfinanzierer geben könnten?

          „Na und wie lang jetzt? Und zu welchem erwartbaren Elterngeldsatz?“
          Drei Jahre und als sie nach eineinhalb Jahren in Teilzeit zurückkerte machte die Firma pleite, aber selbst ihr Arbeitslosengeld für annähernd für den maximalen Elterngeldsatz ausreichen.

          „Du glaubst nicht, dass die das jetzt schon täten?“
          Natürlich tun sie es, aber dafür muss man ihnen nicht auch noch noch ein deutsches Durchschnittsgehalt zahlen und somit noch mehr anreizen schaffen.

          „Ne, ist es nicht.“
          Wo sind wir hier im Kindergarten? Doch ist es, weil das, wenn überhaupt ein Thema der Tarifverhandlungen wäre und darüber Auswirkungen auf das Elterngeld hätte. Über staatliche Hilfsgelder verkorkste Tarifpolitik, zu korrigieren. ist ja wohl hochgradig albern.

          „mit welchem Recht der Staat die Geburt eines Kindes stark unterschiedlich bezuschusst“
          Weil Kinderkriegen kein Beruf ist, für den man einheitliche Tarifverträge aushandelt. Einheitliche Bezahlung hallen wir vor dem Elterngeld. Da gab es für alle ein Jahr lang sozialistisch 600 Mark pro Monat für jedes Kind. Einheitlich. Menschen mit geringerem Gehalt hat das eher zum Kinderkriegen motiviert, als Leute die mehr als nur den Mindestlohn verdienen. Das wollte man korrigieren, indem man das Elterngeld, etwas mehr dazu nutzt, um den Einkommensverlust der Eltern im ersten Jahr zu kompensieren. Wie gesagt, in der Form wie man es hier in Deutschland umgesetzt haben, hat das Hinsicht auf Gleichstellung der Carearbeit kaum etwas gebracht. Einen Effekt wie in Schweden, wo man gerade durch die 90 % Kompensation in der Anfangszeit wesentlich mehr dafür getan hat, um die Väter zur Carearbeit zu bewegen, hat man hier damit nicht erreicht.

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        9. „Klar kann das Ehepaar aus Krankenschwester und Chefarzt in seiner Elternzeit auch von Ihrem Geld leben. Aber wenn Du auf den guten Willen setzt wirst Du halt mit Deiner Erwartung, wie viele das dann tun, schwer enttäuscht werden.“

          Ich setzte nicht auf guten Willen… ich würde es durchaus zur Pflicht für (werdende) Väter machen, die Kindsmutter während des gesamten Mutterschutzes zu unterstützen. Es sei denn, sie verzichtete (partiell) auf ihr Recht (z.B. weil absehbar ist, dass sein Laden sonst pleite ginge).

          „Einheitliche Bezahlung hallen wir vor dem Elterngeld. Da gab es für alle ein Jahr lang sozialistisch 600 Mark pro Monat für jedes Kind.“

          Nein, die 300 Euro waren der über 24 Monate gewährte Maximalbetrag, den aber wirklich nur Familien mit geringem Einkommen erhielten. Da müssen Du und Deine Partnerin also damals zugehört haben, wenn Dir/Euch das Erziehungsgeld in voller Höhe ausbezahlt wurde. Bereits knapp über Durchschnitt verdienende Eltern erhielten schon absolut gar nichts mehr. Und ich verstehe natürlich, dass Menschen das ungerecht fanden, war es ja auch. So wie die Situation jetzt.

          „Einen Effekt wie in Schweden“

          In Schweden nehmen 42 % der Väter Elternzeit. Das ist auch immernoch nur die Minderheit, gar nicht so schrecklich weit weg von unseren Ergebnissen und damit insgesamt a.m.S. noch nicht zufriedenstellend.

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        10. „Ich setzte nicht auf guten Willen… Ich würde es durchaus zur Pflicht für (werdende) Väter machen“
          Zur Pflicht kannst du es nur machen, wenn ihnen dadurch kein finanzieller Schaden entsteht, wie beim Mutterschutz, wo das komplette Netto der Frau kompensiert wird. Das Ist ein anderes Thema als Elternzeit, welches ich aber als anderes Thema durchaus zu mindestens für die halbe Zeit des Mutterschutzes gäbe (7 Wochen, drei Wochen vor, 4 Wochen nach der Geburt.) unterstützenswert fände. Sozusagen als obligatorischen Vaterschutz, ebenso wie bei der Mutter mit vollem Lohnausgleich und verpflichtend für alle Väter, damit es hier keine Karrierevorteile für Elternzschutzverweigerer gäbe. Aber wie gesagt, das ist etwas anderes als Elternzeit.
          Auf der einen Seite redest du allerdings von „Pflicht“ andererseits von „Recht“, oder meinst du das Recht der Mutter auf Unterstützung? Wäre in jedem Fall eine schlechte Lösung, wenn die Mutter die alleinige Entscheidung hätte.

          „Nein, die 300 Euro waren der über 24 Monate gewährte Maximalbetrag, den aber wirklich nur Familien mit geringem Einkommen erhielten.“

          Zugegeben, das ist bei mir schon recht lange her. Ich vermute wir hatten es bei meiner Tochter für die ersten sechs Monate bekommen, da war das Einkommen nicht ganz so niedrig. Ändert aber nichts daran, dass man mit einer Pauschallösung für Alle, nichts für die paritätische Aufteilung der Erziehung tut, denn solange die Partner unterschiedlich viel verdienen wird es immer lohnender sein, wenn der weniger verdienende die Elternzeit nimmt. Eine Lösung, die sich am Einkommen des Elternzeit nehmenden Elternteiles orientiert und dieses möglichst vollständig kompensiert, ist die einzige sinnvolle Lösung, wenn man hier einen Paradigmenwechsel erreichen will.

          Und was die 42 % von Schweden angeht… Das zeigt nur wie schwer eine Veränderung hier herbei zu führen ist und man sollte dabei auch nicht ignorieren, dass Väter in Schweden wesentlich häufiger 6 Monate und mehr Elternzeit nehmen und nach der Trennung wesentlich häufiger die Betreuung hälftig übernehmen. Selbst mit einem Leitbild Wechselmodell entscheiden sich aber auch in Schweden immer noch viele Paare für klassische Rollenaufteilung.

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