Das Feminismus-Paradox

Es ist immer wieder faszinierend.

Twitter ist unter dem #Giffey gerade mal am Trenden, mit Tweets von Frauen, die sonst nichts Wichtigeres als die Gleichstellung der Frau kennen, aber bei der Gleichstellung der Väter jedes Mal Schnappatmung bekommen.

Jetzt geht es erstaunlicherweise darum, dass Väter im Familienrecht, welches sich immer noch am Rollenbild der Nachkriegszeit orientiert, mal etwas gleichberechtigter behandelt werden sollen. Genaugenommen hat Frau Giffey erkannt, dass es ungerecht ist, das ein Vater der 45 % der Betreuungsleistung für seine Kinder erbringt und seiner Ex-Partnerin den Freiraum schafft um vollzeitnah arbeiten zu können, das Gleiche zahlt wie irgendein Penner von Rabenvater, der seine Kinder nie sieht und die ganze Betreuung bei der Mutter ablädt.

Hatice Akyün hat sich beim Tagesspiegel auch wie unter dem gewohnt despektierlichen Titel „Ach du lieber Vater!“ mit einer erstaunlichen #Whataboutism-Kolumne dazu geäußert. In der geht es nicht um die „guten“ Väter, denen es Giffey bei ihrer Initiative geht, sondern z. B. die – mal wieder nicht weiter infrage gestellte Zahl der – 50 % Unterhaltspreller. Ob Giffeys Anliegen gerecht ist, interessiert sie nicht, weil es ihrer Meinung nach ja dringendere Probleme im Familienrecht gibt.

Eine Frau kann als Feministin noch so vehement für die Gleichstellung der Frau im Berufsleben arbeiten, aber von der klassischen Rollenverteilung in der Familie, wo der Vater die Mutterrolle der Frau finanziert wollen sie dann doch nicht abweichen.

Wenn Gleichstellung für Feministinnen plötzlich unwichtig wird.

Auch wollen sie den Vater nicht als gleichberechtigten Erzieher sehen. Gleichstellung ist nur in Bereichen interessant, wo Frauen unterrepräsentiert sind. Wenn das Verhältnis 90:10 zugunsten der Frauen steht, sind ja weibliche Privilegien in Gefahr. Da sind sie dann ziehen sie plötzlich mit der AfD an einem Strang, um das Rollenbild der 50-Jahre zu retten, wie man wieder eindrucksvoll bei der Debatte um das Wechselmodell sehen konnte.

Gleichstellung im Familienrecht (die meisten Väter würde sich schon mit Gleichberechtigung zufriedengeben) ist essenziell notwendig, um Gleichstellung im Berufsleben realistisch zu machen. Wer immer nur wegen der Vorstands- und Vollzeitquoten neidisch nach Schweden schielt, sollte mal erkennen, dass Schweden fast Zeitgleich mit der Gleichberechtigung im Berufsleben, die Gleichberechtigung im Familienleben in Angriff genommen hat. Vor 40 Jahren begann man damit Männern eine realistische Perspektive aufzubauen, dass Familie nichts ist, was mit der Trennung endet. Und siehe da, die Väter lassen sich darauf ein. Nicht von heute auf Morgen, aber es hat sich Entwickelt. Wohingegen man sich in Deutschland immer noch am Henne-Ei-Problem lähmen lässt. Ja in Schweden funktioniert das Wechselmodell als Standard, aber nur, weil da auch die Väter betreuen würde, wandte Ministerin Barley kürzlich im Tagesthemen-Interview ein, und ignoriert, dass man dort den Männern den Rechtevorschuss zugestanden hat und davon ausging, dass man Väter und Mütter als gleichwertig sehen kann. Hier klagt sie lieber, dass man eine Hausfrau und Mutter ja nicht wieder arbeiten Schicken könnte.

Wann, wenn nicht zügig nach der Trennung. Die Rente muss dann schließlich alleine verdient werden oder soll der Staat den Rest ihrer Tage dafür aufkommen, nur weil sich eine Frau blindlings darauf verlassen hat, dass ihr Mann schon für ihren Unterhalt aufkommt?

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