Die Kunst beleidigt zu sein

Auch wenn man einen Penis hat

Es ist beeindruckend. Man kann fast seine patriarchale Taschenuhr danach stellen. Wann immer eine Feministin, ein sozialer Gerechtigkeitskrieger oder eine Organisation, welche den beiden nahesteht oder versucht mit ihrer Haltung Geld zu verdienen, einen hashtag wie #menaretrash initiiert oder einen sexistischen Werbespot produziert (wie zuletzt Gillette) und Männer oder die ihnen nahestehende Frauen sich über die sexistische Herabwürdigung eines Geschlechtes beschweren, dann sprießen Kommentare wie jener der englischen Schauspielerin Elizabeth Lloyd Raynes auf Twitter und in anderen Netzwerken.

https://twitter.com/ELloydRaynes/status/108546936330022502

Natürlich kann man ihr zustimmen, dass es wichtigere Probleme als so einen Werbespot, allerdings lässt sich das auch über 99 % der Scheißestürme oder der Twittertrends sagen, die in den letzten Jahren das Internet und die Medienlandschaft erschüttert haben. Nur meinten da Frauen, SJWs oder Minderheiten, dass es angebracht wäre, die Empörungsmaschine anzuschmeißen. Es gibt und gab sicherlich dringendere Probleme, als

  • den voll unawokenen Durchschnittsbürger, der über ein „Wo kommst du her?“ einen Smalltalk-Einstieg zum Kennenlernen wählt (#MeTwo).
  • Dass Nobelpreisträger Tim Hunt bei einer Rede vor WissenschaftlerInnen einen Witz reißt, der ironisch auf seine eigene Geschichte anspielt (#distractinglysexy)
  • #menspreading
  • #mensplaining
  • die Probleme die Silvie Schmiedels Pinkstinks-Truppe besorgniserregend findet
  • ein drei Sekunden zu lange gehaltener Blick (#aufschrei),
  • schlechter Sex der im Nachhinein zur sexuellen Belästigung umdeklariert wird (#MeToo)
  • wenn man von SchülerInnen und MitarbeiterInnen erwartet, dass sie sich so kleiden, dass man nicht auf den ersten Blick ihre Nippelform analysieren kann (#Hotpantsverbot)
  • Ob die Bravo nun nach 40 Jahren immer noch Flirttips gibt (#flirtennachbravo)

Da wäre ein „sort out your priorities“ nicht weniger angebracht, vor allem weil die einzelne durchaus Mitleid erregende Tweets unter z.B. #Aufschrei und #Metoo im Rauschen der Rampensäue untergehen, die auch mal für irgendeine Belanglosigkeit bemitleidet werden wollen.

Es ist schon interessant, wie jene, die mit ihrem Mangel an Empathie und ihrer Vorurteilsverliebtheit einen Shitstorm auslösen, entscheiden wollen, ob es angebracht ist, wenn ihre Opfer sich ärgern oder verletzt sind. Vielleicht lassen wir Harvey Weinstein oder Kevin Spacey künftig entscheiden, ob das Gewese um #MeToo wirklich sein musste.

Wenn Feministinen und SJWs zur Übermutter mutieren

Diese Menschen faseln von toxischer Maskulinität, deren Markenzeichen u. A. Ist, dass diese Männer unfähig sind, ihre Gefühle zu zeigen. Leider sind männliche Gefühle nicht nur das, was sich kleine naive FeministInnen und ihre in den Elfenbeinturm geladenen Betamännchen beim Ausmalen ihres Märchenprinzenbildes vorstellen wollen. Zum männlichen Gefühlshaushalt gehören auch Verletztheit und Wut. Und ersteres ist meist das Gefühl, welches die Wut eines Shitstorms auslöst. Das ist bei den Frauen mit #Aufschrei und #Metoo nicht anders.

https://sexismusbeauftragter.files.wordpress.com/2019/01/image-8.png

Wenn Männer aber diesen Gefühlen mal freien Lauf lassen, dann werden männliche Gefühle problematisch. Wenn Männer als Abfall bezeichnet werden oder sich eine Fernsehmoderatorin meint, sich darüber lustig machen zu müssen, dass Männer verletzt oder wütend sein können, dann resultiert die sich entwickelnde Wut darüber meist aus der Tatsache heraus, dass Männer – zu mindestens jene, die in den letzten 50 Jahren sozialisiert wurden – oft genug herablassend behandelt oder mit dem Vorwurf konfrontiert wurden, dass sie zum beschissenen Geschlecht gehören.

Die Kleinmädchenvorstellung einiger Feministinnen, dass männliches Verhalten heutzutage überall toll gefunden wird, ist leider wirklich nicht mehr, als eine Kleinmädchenfantasie, nach der es auf der anderen Seite des Zaunes immer schöner ist. Und ich kann es verstehen, wenn Männer es irgendwann leid sind diesen Bullshit zu hören und bei einem geringen Anlass eine Wut entsteht, die in einem Hashtag oder Shitstorm Ausdruck findet.

Was mich daran am meisten schockiert ist die Reaktion dieses awoken Völkchens, in den sozialen Medien und in der Presse. Immer wieder propagieren sie vollmundig, dass sie sich für die Auflösung der Rollenmodelle einsetzen, aber während Frauen über jede Belanglosigkeit PMS entwickeln dürfen, benehmen sich diejenigen die am lautesten „toxischer Maskulinität“ schreien, bei jedem Gefühlsausbruch von Männern wie Mutti, die ihrem kleinen Jungen sagt „Hör auf rumzuheulen, du bist doch kein Mädchen.“ „Indianerherz kennt keinen Schmerz“. Über sowas muss man als echter Kerl doch nicht herumjammern oder wie Miss Raynes es in ihrer endlosen Empathie ausdrückt „Sort your Priorities“. Oder sie machen sich über diese Gefühle lustig, wie die Süddeutschen Zeitung, welche Artikel zur männlichen Opferrolle gerne mit lustigen Bildern wie Daumen lutschenden Bodybuildern illustrieren.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/maennlichkeit-in-der-krise-warum-viele-maenner-sich-heute-als-opfer-fuehlen-ein-schwerpunkt-1.3476657

Zum Glück darf der moralisch korrekt ausgerichtete weiße Ritter männliche Verletztheit bagatellisieren oder als Erklärung dafür nehmen, dass diese Männer halt noch nicht so erleuchtet sind, wie z. B. Sebastian Degenhardt.

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„Die Reaktionen Zeigen, dass man da noch viel tun muss“? Richtig, das muss man. Zum Beispiel endlich mal aufhören anhand von negativen Beispielen ein Geschlecht zu dämonisieren und herabzuwürdigen, was sich diese hochmoralischen Edelleute seltsamerweise nur bei einem Geschlecht und einer Rasse legitim finden.

Wie wäre es mit einem Spot über Toxic Feminity

Man stelle sich vor Gillette beauftragte Männerrechtler – für den Spot der Venus-Reihe des Konzerns – mal toxische Weiblichkeit thematisieren. Ich weiß, Aufrechte Frauenversteher wie Herr Degenhardt halten den Gedanken für absurd, wer hätte je bei einer Frau schon mal sexistische oder toxische Verhaltensweisen erlebt?

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Um die Frage zu beantworten: „Ja die Notwendigkeit gibt es.“ Arschlochhaftigkeit ist glücklicherweise kein Geschlechtsmerkmal. Frauen töten häufiger Kinder und Frauen nutzen ihre Sexualität aus, um sich Vorteile zu verschaffen. Maternal Gatekeeping ist ein Problem sein, welches 25 % aller Mütter haben, die nach Möglichkeit den Vater aus der Elternrolle drängen. Auch sonst sind Frauen nicht weniger in der Lage, Dinge zu tun, mit denen sie sehr, sehr schlechte Vorbilder für ihre Umwelt und ihre Kinder abgeben. Und meist schaden sie sich damit auch noch vor allem sich selber.

Auf Reddit hat schon mal jemand einen ersten Entwurf für das Drehbuch online gestellt, in dem er noch nicht einmal alle Themen abgehandelt hat, die man zum Thema toxische Weiblichkeit abhandeln könnte. Ich unterstelle mal, dass Frauen ebenso wenig begeistert über den daraus resultierenden Spot reagieren würden, auch wenn die Botschaft im Grund genommen nur ist: ‚Sei keine Bitch‘ bzw. „sei den Kindern ein gutes Rollenvorbild, und höre auf Männer in den Selbstmord treiben, den Vater aus dem Leben deiner Kinder zu entfernen, Männer um ihres Geldes willen heiraten und höre auf deine Sexualität als Waffe einzusetzen, wenn es mit dem Talent nicht reicht.“

Oder ein Spot über Toxic Islam?

Oder stellen wir uns einen anderen Werbespot vor, der sich mit dem toxischen Islam beschäftigt: Beginnt mit Berichten über die Sylvesternacht 2016 in Köln, ISIS, terroristische Lastwagenfahrer, die in Menschenmassen rasen, oder afghanische Asylanten, die deutsche Studentinnen vergewaltigen und anschließend töten. Ein paar Bildern von Säure verätzte Iranerinnen, die sich getraut haben, einen Moslem zurückzuweisen oder was sonst noch so passiert, worüber jeder AfD-Anhänger Schnappatmung bekommt. Dazwischen immer wieder Bilder Moslems die schuldbewusst in den Spiegel schauen und sich fragen „Ist dies das Beste was unsere Religion zu bieten hat?“ und immer mal wieder einer awoke Moslem, der seinen Glaubensbruder davon abhält eine junge deutsche Frauen zu belästigen, einen Ehrenmord zu begehen oder dem muslimischen Lastwagenfahrer den Autoschlüssel wegnimmt. Und anschließend kommt dann eine Aufforderung sich „TheBestIslamCanGet.org“ anzuschließen. Wer glaubt ernsthaft, dass wir dann nicht den nächsten Twittertrend #methree hätte incl. Boykottaufrufen? Die Shitstürme würden toben. SJWs sind wie gesagt schon von den Flirt-Tipps der Bravo offended. Beim Spiegel, SZ und der Zeit würden die Tastaturen glühen, ob dieser rassistischen Unfassbarkeit, auch wenn der Werbespot doch nur eigentlich nur sagt: „Benehme dich aus als Moslem nicht wie ein Arschloch.“

Bei solchen Werbespots würden awoke Herren, wie der Herr Degenhardt, dann aber eher so etwas sagen wie „An den Reaktionen sieht man, wie wichtig es ist, dass wir über die unangebrachte Verbreitung von sexistischen/rassistischen Rollenklischees und Ressentiments sprechen“ oder ähnlichen Mumpitz, den man bei einem nicht-männlichen Shitstorms in Massen von den weißen Rittern liest. Gepaart mit der Aufforderung diese berechtigte Wut nicht kleinzureden und den beleidigten Opfern einfach mal zuzuhören. Es ist zu bezweifeln, dass er dort die Wut als Zeichen dafür zu sieht, die wütenden Frauen/Moslems hätten noch viel an sich zu arbeiten.

Und die Presse würde mit einer ausgiebigen positiven Berichterstattung auf den Protest reagieren, wie bei jedem Trend, bei dem sich Frauen beklagen, was für Bastarde Männer doch sind, die sich nicht einmal den Namenstag ihres Zwergpudels merken können. Vor allem könnte die deutschsprachige Presse bei solchen Spots mit auch endlich wieder von „Kritik“ statt „Hass“ reden, nicht wahr liebe NZZ? Denn nach Orwellianischem Neusprech der Gerechten wird „Hass“ heute ja als „Kritik, die auf der falschen Seite des gesellschaftlichen Moral-Kompasses steht“ definiert.

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Überhaupt ist es faszinierend, wie schnell die Presse wieder dabei ist mit der politischen Ausrichtung der verletzten Männer. Alles nur ein rechter Mob. Das Bundesamt für politische Bildung, welches sich vor jeder Wahl die Mühe macht ihren Wahl-o-mat an die jeweiligen Programme anzupassen, kann einpacken. Anhand dieser brillanten politischen Analysen von SZ, Tagesspiegel, NZZ, und wie all die moralisch Selbstgrechten heißen. Zukünftig kan man sich auf eine Frage beschränken:

Nicht seit #MeToo, sondern seit Kant

Zum Glück ist der feministische Mythos, dem die Regisseurin des Gillette-Spot anhängt, dass toxische Maskulinität ein Massenphänomen ist eben dies: Ein Mythos. Ebenso wie die Unterstellung, dass alles toll gefunden wird, was Männer so machen. Männern wird schon seit geraumer Zeit vorgeworfen, dass ihr typisches (angeblich konditioniertes) Rollenverhalten komplett falsch, gar toxisch und für alles Unheil dieser Welt verantwortlich ist. Das ist kein Ergebnis davon, dass Frauen dank #MeToo endlich mal wieder die Macht ihrer Sexualität vorgeführt wurde.


http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gillette-werbespot-maenner-sind-an-allem-schuld-kolumne-a-1248822.html

Christian Stöcker schreibt in seiner Sonntagskolumne auf Spiegel Online:

„Ja, Männer sind an (fast) allem schuld. Sorry.

Holocaust und Inquisition, Kreuzzüge, Genozide, Weltkriege. Drogenkartelle und das Regime Nordkoreas, Menschenhändler und Folterknechte, IS und al-Qaida – das alles sind Männersachen.“

Christian Stöcker, Spiegel Online

Er übersieht dabei nur eines: Das Penicillin, der Wechselstrom, das Telefon und ziemlich alle Erfindungen, die unser Leben zivilisiert erscheinen lassen (incl. Demokratie und Meinungsfreiheit) sind auch Männersachen. Ebenso war es eine Männersache den – von knapp 50 % weiblichen NSDAP-Wählern ins Amt gehobenen – Adolf Hitler und seine menschenverachtende Truppe zu stoppen. Auch der D-Day, die Französische Revolution und der Sezessionskrieg, der die Sklaverei in Amerika beendet hat, kann auch kaum als Frauensache bezeichnet werden. Ebenso wenig wie die meisten anderen Dreckarbeiten, die viele Menschenleben gekostet haben, für deren Erledigung die Zivilisation doch leider nur den Männern dankbar sein kann.

Es zeugt leider von historischer Unkenntnis, sollte Herr Stöcker glauben, es sei mutig oder gewagt, wenn er in der Einleitung zu seinem Spiegel Online-Kommentar so hart mit den Männern ins Gericht geht und meint sie nur für das übel dieser Welt verantwortlich zu machen. Es wäre da sicherlich ratsam gewesen, mal in den Text „Das verteufelte Geschlecht“ von Christoph Kucklick aus der Wochenzeitung Die Zeit zu schauen, bevor er sich hier unangebracht für eine Ausgeburt der Selbsterkenntnis hält. Seine Vorwürfe an das männliche Geschlecht sind inzwischen über 200 Jahre alt und das Ergebnis der Aufklärung.

Es ist bloß ein Mythos. Um 1800 kommt als eigentliche historische Neuerung vielmehr ein Diskurs auf, der Männer als naturhaft unmoralisch, gewalttätig, egoistisch, asozial, hypersexuell, gefühlskalt, kommunikationsunfähig und verantwortungslos charakterisiert. Die Vorwürfe beginnen etwa um 1765. Im Jahre 1779 weiß der schottische Aufklärer William Alexander bereits: „Der Mann ohne weibliche Begleitung ist ein gefährliches Tier der Gesellschaft.“

https://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/seite-3

Ich persönlich höre dieses Gerede mittlerweile seit den 80ern, als ich noch zur Schule ging, beispielhaft in einer „Männer“-Projekt-Woche, in der, unter anderem anhand von Charles Bukowskis Kurzgeschichten, erklärt wurde, wie übel Männer doch sind. Gepaart mit der Prophezeiung, dass Frauen, wenn ihnen die Fesseln der diskriminierenden Gesetze abgenommen wird, in kürzester Zeit zeigen werden, dass sie dem besseren und wertvolleren Geschlecht angehören. Überhaupt ist das Y-Chromoson ja nur ein unterentwickeltes X-Chromosom.

Ich warte immer noch darauf, denn ich hätte mich eigentlich gerne auf das Großziehen meiner Kinder konzentriert, ohne noch nebenbei den kompletten Lebensunterhalt zu verdienen, weil Frauen leider noch schlechtere Unterhaltszahler sind, als die viel gescholtenen Väter. Denen kann man wenigstens zugutehalten, dass sie nicht einmal mit entscheiden durften, ob ein Verhütungsunfall zur Elternverantwortung führt.

Frauenarme Revolution

Auch 40 Jahre nachdem die letzten Gesetze, welche die freie weibliche Selbstverwirklichung eingeschränkt haben, gefallen sind, hat sich wenig geändert. Wir haben bereits die erste postfeministische Revolution des Arbeitsmarktes hinter uns, die viele Mittelstandskinder zu Großverdienern gemacht hat, aber auch diese digitale Revolution zum Ende des letzten Jahrhunderts musste leider weitestgehend ohne weibliche Innovationskraft gestemmt werden. Alle Selfmademilliardäre unter 40 sind männlich. Die meisten haben das Momentum dieser Revolution genutzt, um etwas zu produzieren, was sie in kürzester Zeit unanständig reich gemacht hat, aber die einzige Frau, die 2015 in diesen Club aufstieg, entpuppte sich mittlerweile als Medizin-Relotius und dürfte nun doch wieder nach einem wohlhabenden Ehemann Ausschau halten, nachdem sie ihr Studium an einer Eliteuni geschmissen hat. Wenn Mirna Funk im letzten Jahr erzählt wir würden jetzt das letzte Aufbäumen des weißen Mannes erleben, dem am besten mit weiblichen Terrorzellen ein schnelles Ende gemacht würde, dann fällt es mir mittlerweile echt schwer so einen Pippi-Langstrumpt-Feminismus ernst zu nehmen.

Toxische Jungen

Besonders absurd wird diese „toxischer Maskulinität“, welche der Gillette-Spot präsentiert, aber, wenn man selber einmal Kinder in den letzten 30 Jahren groß gezogen hat. Tatsächlich würden Väter, die rabaukenhaftes Verhalten ihrer Söhne mit „Boys Will Be Boys“ rechtfertigen, als hätte sie zu viel Dope unter ihre Grillkohle gemischt, schneller bei der Erziehungsberatung landen, als sie ADHS sagen könnten. Und die Chance, dass ihr Kind dann mit Ritalin vollpumpt werden, ist bei Jungen viermal höher als bei Mädchen. Wer in den letzten dreißig Jahren einen Jungen groß gezogen hat weiß, dass Jungen in unserer Gesellschaft als Störfaktor gesehen werden, wenn sie sich wie Jungen benehmen. Wer bei „wie Jungen benehmen“ keine andere Assoziationen außer „sexueller Nötigung“ hat, dem sei ein Kinderbuchklassiker wie „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Emil und die Detektive“ empfohlen. Ich habe selber einen Jungen großgezogen und habe das ganze Programm erlebt. Die ADHS-Unterstellung war dabei eine beliebte Abwertung seines Verhaltens.

Man muss heute sehr viel Vertrauen in die Normalität seines Kindes haben, wenn man einen Jungen groß ziehen will, ohne dass dieser für normales Verhalten pathologisiert wird.

Altersmilde aber nicht leise

Der Vorteil am Alter ist, dass einem mittlerweile dieses ewige Gerede von diesen, sich moralisch überlegen gebenden Aktivisten nur noch müde Lächeln kann. In Zeiten von Twitter und Facebook können sie sich zwar etwas penetranter in den öffentlichen Diskurs drängen, aber viel Neues bekommt man trotzdem nicht zu hören. In meiner Jugend waren die Vorläufer der SJW vor allem Vereine wie die Sozialistische deutsche Arbeiterjunge (SDAJ) und anderen meist linke Gruppierungen organisiert, wo sie angeblich für eine bessere und gleichberechtigtere Welt kämpften. Monty Python hat denen mit der Volksfront von Judäa, im Film das Leben des Brians, ein würdiges Denkmal gesetzt hat. Eine typische SDAJ-Sitzung hat ungefähr so ausgesehen.

Die sozialen Gerechtigkeitskrieger (SJW), welchen die Monty-Python-Macher die Figur der „Loretta“ gewidmet haben, sind heute in dieser Rolle.
Den meisten Unsinn von denen hat man über die Jahre auch schon gehört. Falls im Laufe der Geschichte wirklich mal etwas Sinnvolles in deren Weltbild dabei war, konnte man es in sein Weltbild integrieren, aber wenn man Frauen für verantwortungsfähige Wesen hält, kann man über all die Ausreden, mit denen die intersektionale Linke heute noch zu rechtfertigen versucht, warum Frauen immer noch zufrieden mit ihrer Teilzeitstelle und der Kindererziehung, mit etwas Ironie gelassen hinweggehen.

Kleine Helden

Ich weiß kleine Jungs wollen gerne Helden sein. Das gilt bestimmt auch für den durchschnittlichen männlichen SJW, vor allem wenn er in seiner Kindheit nie Cowboy und Indianer spielen durfte, weil seine Helikoptereltern es für eine unangebrachte Verharmlosung des Genozids an den amerikanischen Ureinwohnern gehalten haben. Ist verständlich, wenn man in jungen Tagen sein Verhältnis zu Gut und Bose in solchen Rollenspielen nicht selber entdecken durfte, dass man heute glaubt, doppelt so deutlich seine Tugendhaftigkeit auf Twitter signalisieren zu müssen.

https://allesevolution.wordpress.com/2019/01/24/gruende-dafuer-maennlichkeit-anzugreifen/

Liebe weiße Ritter: Um ein kleiner Held zu sein, braucht man nicht die Mehrheit eines Geschlechtes als böse zu stigmatisieren. Es reicht, wenn man sich gegen jene stellt, die tatsächlich Böse sind. Es wird viele von euch erschüttern, aber auch wenn Feministinnen gerne anderes glauben wollen: Die Bösen sind nur ein Bruchteil aller Männer und Frauen. Die meistens von ihnen sind einfach nur daran interessiert ein würdevolles und angenehmes Leben zu führen, für das sie sich später nicht allzu sehr schämen müssen, sollte es überraschenderweise doch einen Gott geben.

Es scheint für das mickrige Ego einiger männlichen Gerechtigkeitskrieger zu sprechen, wenn sie so tun, als wäre es genau andersherum. Die Mehrheit verprügelt seine Frauen nicht. Das ändert sich auch nicht, wenn Ihr die Kriterien für häusliche Gewalt so niederschwellig macht, das jeder Mann, sollte man mal auf die absurde idee kommen ihn nach seiner Opfererfahrung zu fragen, vermutlich sagen würde „ja ist mir auch schon passiert“.

Auszug aus der EU-Umfrage zur Gewalterfahrung von Frauen.

Also ich hätte zu mindestens bei dem Kriterien-Katalog an ein zwei Stellen bezüglich sexueller oder körperlicher Gewalt mein Häkchen gemacht.

Des Paranoiden Lebensmaxime

„Je größer der Feind, desto größer die Ehre mit der man sich dann auf die Schulter klopfen.“ das weiß jeder, der in seiner Kindheit zum „Krieg der Sterne“- oder „Der Herr der Ringe“-Fan sozialisiert wurde. Pathologisch wird es nur, wenn man absurde Kriterien aufstellt, um die Bösen so zu definieren, dass man sich wie Frodo Beutlin oder Samweis Gamdschie fühlen kann, wenn man einmal durch die Füßgängerzone am Samstag Nachmittag flaniert, weil man überwältigenden Armeen von Bösen gegenüberstehen und sich all dieen Bösen moralisch überlegen fühlen darf. Ich bezweifle, dass Tolkien einen Klassiker geschrieben hätte, wenn Saurons schlimmstes Verbrechen gewesen wäre, dass er das Gendersternchen ignoriert und seine Orks die Nekromantin nach einem Date gefragt hätten oder Sauruman zwei junge Ents hätte im Garten raufen lassen, anstatt ihnen zu sagen: „Wenn ihr Mädchen wäret, würdet ihr so böse Dinge bestimmt nicht tun.“

Je mehr Frauen man von diesem Weltbild überzeugt bzw. in ihrer Paranoia bestätigt, wie die junge Ukulele-Spielerin, dass sie nach 19:00 nicht mit ihm OPNV fahren, oder dem Postboten im Pyjama die Tür öffnen können, desto weniger Konkurrenten bleiben beim Werben um die Gunst eben dieser Damen. Somit bleibt der freundliche weiße Ritter eine der wenigen Paarungsoptionen. Ist schon ein netter Balztrick.

Paranoia in Liedform

Aber Mal ehrlich liebe SJW’S:

  • Eine Verschwörung der grauen Herren, die nichts Besseres zu tun haben, als Penisträgern 22 % mehr Lohn für die gleiche Arbeit zu zahlen, auch wenn sie sonst über jeden Cent Lohnerhöhung bittere Tränen vergießen? Ernsthaft?
  • Eine Rape Culture, in der aber alleine die unbewiesene Beschuldigung schon Existenzen ruiniert? Nicht wirklich, oder?
  • Männer, die Frauen aus den MINT-Studiengängen fernhalten? Habt ihr die Nerds mal gesehen, die Informatik studieren?
  • Ein Patriarchat, das Frauen manipuliert, nach dem ersten Kind die Prioritäten zwischen Arbeit und Familie zu verschieben? Auch wenn es den meisten Männern ähnlich geht wie in Bill Murray in der Schlussszene von „Und täglich grüßt das Murmeltier.“

Phil: Why are you here?
Rita: You said stay so I stayed.
Phil: I can’t even make a collie stay.

https://www.imdb.com/title/tt0107048/quotes/qt0278151


Wir könnten die Liste so fortsetzen, mit all den anderen Verschwörungstheorien, denen ihr so anhängt, um alle Männer (bevorzugt weiß) privilegierter erscheinen zu lassen. Wenn ihr überzeugten Glaubenskrieger daran festhalten wollt, dass die Mehrheit der Männer nicht besseres zu tun hat, als Frauen zu unterdrücken, bitte sehr. Man tut ja einiges, um Frauen zu gefallen und sich zu einem der wenigen Guten unter den Heerscharen der toxischen Männern erklären zu können.

Arschlochhaftigkeit ist kein Geschlechtsmerkmal

Ich kann es verstehen, wenn Männer inzwischen genervt reagieren, wenn sie diesen Unsinn hören oder mal wieder von einer feministischen Werbefilmerin als das primitive Geschlecht stigmatisiert werden, denen die moralische Erleuchtung fehlt, ohne von einem Hersteller von Rasierklingen an die Hand genommen zu werden. Da kommt bei einigen sicherlich wieder die Erinnerung an die schimpfende Mutter, Mathelehrerin, oder Ex-Frau hoch, der man nie genug sein konnte oder an die feministische Kunstlehrerin, die meint „es wäre unsozial dich nicht durchs Abitur fallen zu lassen“ weil du Arbeitsmoral mit Intelligenz ausgleichst. Meist sind es ähnlich wie bei feministischen Shitstorms recht alte aber sehr tief sitzende Verletzungen, die jetzt wo man ein Alter hat, wo man sich das nicht mehr gefallen lassen muss in Wut kulminiert.

get woke, go broke, Gilette

Grundsätzlich geht mir der Gilette-Spot geflissentlich am Arsch vorbei. Ich habe mir schon lange vorher Gedanken über Rollenmodelle gemacht. Im Gegensatz zu den meisten FeministInnen, die leider immer noch der kapitalistischen Lebenslüge aufsitzen, es wäre etwas Sinnvolles einem 60/80-Stundenjob für ein höheres sechsstelliges Gehalt hinterher zulaufen, war ich schon immer der Meinung, dass es eine sinnvollere Beschäftigung ist, meinen Kindern zu helfen großartige, selbstbewusste Menschen zu werden. Den höchstmöglichen Stundensatz bei Projekten, die jede Woche 60 Stunden meiner Zeit erforderten, habe ich gerne ambitionierten Frauen überlassen, oder wer sonst noch sein Leben dafür verschwenden will. Klar musste ich dabei auch meine Familie finanzieren (denn wie gesagt, Unterhalt bekam ich nicht, wie die meisten alleinerziehenden Väter, die ich kenne), aber es ist auch eine Frage der Vernunft und des Anspruches, ob man dafür 30, 40 oder 60 Stunden braucht und es war schließlich meine Prioritätensetzung.

Dass mir der Gillette-Spot am Arsch vorbeigeht, heißt aber natürlich nicht, dass ich nicht all die Menschen verstehen kann, die sich darüber ärgern, denn im Gegensatz zu den Gerechtigkeitskriegern, bin ich mit der Gabe der Empathie gesegnet. Auch brauche ich mein kümmerliches Ego nicht damit zu füttern, dass ich den Wahnvorstellung, einiger FeministInnen anhängen muss. Und ich brauche mir nicht an meinen Eiern zu kraulen wie Jochen König, nur weil die Ungerechtigkeiten im Familienrecht MIR keinen Strich durch die Lebensplanung gemacht haben. Ich kenne, aber Männer, denen es da anders geht und kann verstehen, wenn diese Männer wütend werden.

Aber die Wahlprognosen für die SPD zeigen, dass sich mit dieser Politik der Herabwürdigung von Männern kein Staat machen lässt, egal ob die GerechtigkeitskriegerInnen im Internet und den Zeitungsredaktionen versuchen allen etwas anderes einzureden. Die Menschen haben zum Glück wichtigere Probleme als die Frage, ob Hannover nun gendergerecht in Hannovende umbenannt wird. Und die meisten Männer teilen dabei durchaus die Meinung, dass Frauen nicht gegen ihren Willen sexuell belästigt werden sollen, oder was der Gillette-Spot sonst noch an „neuen“ Tugenden propagiert. Sie haben nur ein Problem damit, wenn ihnen eine Feministin, mit einem verkorksten Männerbild eingeredet werden soll, dass sie für diese Erkenntnis einen Werbespot benötigen, als wären sie kleine blöde Jungs.

Und Gillette? Na ja, ich hoffe mal, dass sich der Werbespot schlecht genug auf ihre Bilanz auswirkt, weil die Kunden dann halt mal Wilkinson oder einem lokalen Rasierprodukt den Vorzug geben. Das Video ist mittlerweile unter den Top 25 der Most Disliked Videos auf YouTube angekommen. Ich werde sicherlich nicht meine noch brauchbaren Rasierklingen von Gillette wegwerfen, aber da Rasierklingen halt so ein Produkt sind, bei denen man meist nur aus Gewohnheit bei einer Marke bleibt, werde ich diese Gewohnheit mal abändern. Nicht weil ich empört einem Boykottaufruf folge, sondern aus pädagogischen Gründen. Man muss einen Großkonzern ja nicht auch noch für seinen widerlichen Spot belohnen. Das habe ich schon bei meinen Kindern nicht getan und ich glaube, heute sind sie mir ganz Dankbar dafür.

Liebe Leute von Gillette,
es wäre so einfach gewesen einen positiven Spot zu produzieren, der neue Rollenmodelle als Vorbild zeigt. Sowie Kim Gehrig es für Nike in ihren „That Girl can“-Spot für Nike gemacht hat. Ihr hätte eure spießige 70er-Jahre-Werbung einfach nehmen müssen und statt der ganzen Karrieristen, Sexsymbole und sonst noch so tollen Kerle, mit denen sich eure Kunden identifizieren sollten (die nach eurer heutigen Definition Arschlöcher sind) einfach mal um moderne Rollenvorbilder erweitern können: Den Vater, der sich liebevoll um seinen Sohn kümmert, oder den Vater aus meinem Liblingsvideo auf Facebook vom letzten Jahr, wo ein Vater seiner Tochter beibringt über sich hinauszuwachsen.

Männer die bei der Geburt ihres Kindes die Frau motivieren und unterstützen. Die von Gefühlen überwältigt die Nabelschnur durchschneiden. Söhne, die am Sterbebett seiner Mutter weinen… Es gibt genug positive Rollenmodelle, die Männern gegeben werden können, die den meisten Jungs heute leider durchaus fehlen, weil erschreckend viele ohne ihre Väter und sinnvolle männliche Vorbilder in der Schule aufwachsen. Der CEO von Égard Uhren hat an einem einzigen Tag, in Eigenproduktion gezeigt, wie es gegangen wäre Gillette. Wenn ihr das nicht einmal mit eurem Werbebudget hinbekoimmt habt ihr es verdient mit eurer neuen Zielgruppe Pleite zu gehen.

4 Kommentare zu „Die Kunst beleidigt zu sein

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      1. Wenn Dir das Lektorat eines ghettobewohnenden Unterschichtlers recht ist, mache ich das gern. Die ganz groben Schnitzer finde ich wahrscheinlich und den Rest merkt eh keiner …

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