PAS: Entsorgte Eltern

Der Stern entdeckt die Eltern-Kind-Entfremdung …
Wenigstens für ein Geschlecht.

Beeindruckend. Das Entsorgen von einem Elternteil ist der Redakteurin Andrea Müller im Stern-Ableger NIDO ein auführliche Bericht wert. Ein Protokoll eines Elternteiles, welcher alles verloren hat.

Es ist das klassische Trennungseinmaleins einer Konflikttrennung, wie ich es in den letzten Jahren öfter gehört habe. Eine Affäre, weil man das despektierliche Verhalten des Partners zu Hause nicht mehr aushält und der perfide Rachefeldzug, des betrogenen Partners, der die Kinder als effektivste Waffe benutzt um den Betrüger zu verletzen. Mißbrauch des Paragrafen 1 des Gewaltschutzgesetzes, Verlust der Wohnung, der Kinder,  finanzieller Ruin durch endlose Rechtsstreiteren und Anrechnung eines fiktiven Einkommens.

Die ganze Palette jener Methoden, mit denen die Mütter- und Alleinerziehendenlobby seit Jahren Kinder zu Trennungswaisen macht und Väter in den Ruin und bis zum Selbstmord getrieben hat. Ich alleine kenne drei Väter, die diesen „Ausweg“ gewählt haben und einen Arbeitskollegen, der mit dem Versuch scheiterte, als er sich auf dem Firmenklo die Pulsadern öffnete. Dem hatte seine Frau nach der Fertigstellung des Familientraumes im Grünen eröffnet, sie wolle sich von ihm trennen. Sie machte ihm noch das freundliche „Angebot“ er könnte das Haus ja ihr und seinen Kindern überlassen. Plötzlich stand er mit 100.000 DM Schulden und ohne Kinder da, denn dank der tatkräftigen Unterstützung des damaligen Jugendamtes dürfte er die auch nicht mehr sehen. Zum Glück war sein Versuch erfolglos, denn zwei Jahre Später meldete sich bei ihm das Jugendamt, entschuldigte sich vielmals  und erklärte es gäbe ernstzunehmende Beschwerden über die Mutter. Die Anzeichen verdichteten sich, dass sie ein ernstzunehmendes Alkoholproblem hatte und die Kinder vernachlässigte und so wurde er der erste alleinerziehende Vater, den ich damals kennengelernt habe.

Der Fall, dem sich der Stern nun widmet, klingt ähnlich. Erstaunlich distanzlos baut die Redakteurin einem Elternteil die Bühne um in allen Details zu beschreiben, wie grausam und zielstrebig der andere Elternteil vorgegangen ist und wie groß der Leidensdruck – angesichts der entfremdeten Kinder – doch ist. Man könnte es dem Stern mal hoch anrechnen, das sie die perfiden Methoden der Eltern-Kind-EntfremderInnen anprangern. Mit denen werden schon seit Jahrzehnten den Vätern die Kinder entzogen. Leider bekommt der Artikel einen sexistischen Beigeschmack, wenn dieses System erst jetzt interessant wird, wenn auch immer häufiger mal Mütter damit konfrontiert werden. Denn das – von der Redakteurin Andrea Meyer präsentierte – Opfer Cornelia P. ist entgegen der landläufigen Quote eine Mutter. Offensichtlich wissen auch immer mehr Väter wie man Google benutzt und so bedienen sich  zur Rache am Ex-Partner immer häufiger an den selben Quellen, um Lücken und Unschärfen im Gewaltschutz und Sorgerecht auszunutzen.

Da schwingt doch die Attitüde jahrzehntelanger Mutterverehrung mit, wenn es erst bei einer betroffenen Mutter zu so einem Mitleidsartikel führt. Mir  kommen dabei die Zitate eingefleischter MutterlobbyistInnen in den Sinn die schon mal so einen sexistischen Unsinn von sich geben wie:

„Seit Anbeginn der Menschheit und im gesamten Säugereich spielt die Mutter eine übergeordnete Rolle. Diese Tatsache kann kein Vater der Welt und auch kein Familienrichter einfach unter den Tisch kehren. Das wäre einfach nur wider der Natur!“

Solange soetwas hauptsächlich Vätern widerfährt ist sowas selten mal einen Artikel wert. Wenn Gewalt- oder Mißbrauchsvorwürfe gegen den entsorgten Elternteil im Raum stehen traut sich da sowieso keiner mehr ran. Sollte man einem weiblichen „Gewaltopfer“ etwa öffentlich unterstellen „die hat wohl gelogen und die Gewalt nur geschickt inszeniert, um das Gewaltschutzgesetz zu instrumentalisieren“?

Soetwas traut sich der „Stern“ offensichtlich erst, wenn die Täter/Opfer-Verteilung wieder dem sexistischen Weltbild entspricht. Mit dem Mann als Bösewicht und der Frau als Opfer seiner finanziellen Macht.

Wenn Andrea Müller, 47, selbst Mutter von zwei Kindern, sich am Ende damit rühmt sich nicht nur die Geschichte erzählen lassen, sondern auch die Gerichtsakten eingesehen zu haben, dann möchte man ihr sagen: „Die Akten der Familiengerichte voll sind von vergleichbaren Fallen.“ Nur ist hier meist der Vater der entsorgte Elternteil. Deshalb ist ihr Urteil so sexistsisch, wenn sie schließt:

„Erschreckend, wie schnell eine Mutter ihre Kinder verlieren kann.“

Das impliziert, dass es bei einem Vater nicht ebenso schnell ginge oder dass dies weniger erschreckend wäre. Tatsächlich geht es noch schneller. Nicht jeder Vater hat die finanzielle Macht und das soziale Umfeld, um sich so gegen die Mutter zu positionieren. Standardmäßig hat ein unverheiratete Vater nach der Geburt nicht einmal das Sorgerecht. Selbst wenn er das Sorgerecht hat, heisst das nicht, dass er gegen den Willen der Mutter auch Sorgen darf, einfach Erziehungsmonate beantragen oder Umgang durchsetzen könnte. Das einzige Recht, welches er mit Geburt des Kindes automatisch bekommt ist Unterhalt zu zahlen.

Insofern brauchen Mütter keine finanzielle Macht, um den Vater ist eine ähnliche Situation wie Corinna P. zu bringen. Meistens reicht dafür eine mit klassischen Täter/Opfer-Rollenbildern hantierende Jugendamtsmitarbeiter, Prozesskostenhilfe und eine Familienrichterin, der die Mutter/Kind-Bindung wichtiger ist als jedes Familiengutachten. Dann endet der Kampf des Vaters für seine Kinder in demselben finanziellen und emotionalen Desaster. Vielleicht Sollte Frau Müller mal das Buch von Karin Humml „Entsorgte Väter“ lesen.

Karin Hummels Entsorgte Väter

Andrea Müller fällt damit in den Canon der weißen weiblichen Besitzstandswahrerinnen ein, für die jedes bisschen mehr an Gleichberechtigung im Familienrecht die Angst um den Verlust der eigenen Privilegien ansteigen lässt. Wenn sich die Alleinerziehenden- und Mütterlobbyorganisationen immer lautstärker über die vermeintliche Entrechtung der Mütter beschweren, überzeichnen sie die Realität, in der Väter gerade mal langsam in die Lage versetzt werden, ihre Rechte überhaupt gegen den Willen der Mutter durch zu setzen.

Natürlich treten durch eine größere Gleichberechtigung im Familienrecht auch die weniger erfreulichen Väter häufiger ins Rampenlicht, denen die Pflege der verletzten Eitelkeit wichtiger ist, als das Wohl ihrer Kinder. Natürlich gibt es diese Narizistischen Persönlichkeiten auch unter Vätern, denn Arschlochhaftigkeit ist kein Geschlechtsmerkmal, aber wir sind hier noch weit davon entfernt dass diese einen zahlmäßig größeren Anteil an den Eltern-Kind-EntfremderInnen haben. Aber inwiefern sich diese von jenen Müttern unterscheiden, welche Karin Hummel in einem Interview zur Veröffentlichung ihres Buches sagt:

Es gibt eine interne Studie des Bundesjustizministeriums, aus der hervorgeht, dass 80 bis 90 Prozent der Mütter, die die gemeinsame Sorge ablehnen, dafür Gründe anführen, die sich nicht am Kindeswohl, sondern an ihrem eigenen Wohl orientieren: Sie möchten allein entscheiden oder nichts mehr mit dem Vater zu tun haben.

In der Realität haben wir immernoch 90% Frauenanteil unter den Alleinerziehenden. Das ist noch weit von dem 70/30-Verhältnis  entfernt, welche man als Ziel der Frauenquote für eine Gleichberechtigung in deutschen Unternehmensvorständen angesetzt hat. Da wirkt das Klagelied von Andrea Meyer und Cornelia P. ein wenig so, als würden sich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ein paar alte weiße Männer beklagen, weil sie ihren Job an ein paar Frauen verloren haben, die halt ebenso hinterfotzig intrigiert haben, wie Männer es sonst gemacht haben, um ihre Macht abzusichern. Wenn diese Herren ihre Wutrede mit dem Fazit beendet hätten „Erschreckend wie schnell ein karrierebewusster Mann heutzutage von einer Frau aus dem Job gemobbt werden kann“ hätten sie damit nur ein ungläubiges Kopfschütteln erzeugt.

Das gleiche sollte der Artikel von Andrea Meyer mit dieser Grundtendenz auch erzeugen.

Es ist schön, dass die Mechanismen der Eltern/Kind-Entfremdung jetzt, wo auch mal Frauen davon betroffen sind, auch mal von einer Zeitschrift die dem Stern anerkennt, aber diese Methoden sind verdammenswert, egal welches Geschlecht der entfremdete Elternteil hat.

Und natürlich wäre es dringen notwendig, dass das deutsche Familienrecht endlich aufhört spätestens nach der Trennung so alleinerziehendzentriert zu agieren. Ein Kind sollte nach einer Trennung ganz selbstverständlich zwei Meldeadressen haben können. Kindergeld sollte ebenso selbstverständlich auch auf zwei Konten gesplittet überwiesen werden können. Und dass Eltern vor Gericht überhaupt dafür kämpfen müssen, sich gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern zu dürfen, sollte in Deutschland auf dem Müllplatz der Geschichte landen. Ebenso wie es das bereits in den meisten anderen europäischen Ländern ein Kopfschütteln erzeugt.

Die Gerichte sollten ihre Zeit lieber damit verbringen, jene Fälle gründlich zu untersuchen, bei denen das Kindeswohl wirklich auf dem Spiel steht. Statt dessen pauschal erstmal zu vermuten, dass Kinder bei der Mutter besser aufgehoben ist, und der Vater erstmal beweisen zu lassen, dass eine paritätische Betreuung nicht das Kindeswohl gefährdet ist eine sexistische Haltung.

Mn muss sich nicht wundern, wenn jeder anständige Vater erst seine Kindeswohltauglichkeit beweisen muss, um gegen eine – möglicherweise von Rachegelüsten und Unterhaltsinteressen getriebene  -Mutter die hälftige Betreuung durchzusetzen, muss man sich nicht wundern, wenn die Gerichte überlastet sind. Dann wird halt wie im Fall von Cornelia P. nach Anscheinsbeweisen entschieden.

Es ist Humbug so zu tun, als würde die sich langsam im Familienrecht abzeichnende Gleichberechtigung pauschal Mütter entrechten. Da könnte ich noch genügend Beispiele aus dem letzten Jahr aufzählen, die das Gegenteil beweisen. Wo Vätern selbst von Gutachtern die bessere Erziehungskompetenz zugesprochen wurde, aber die Richterin dann doch die Mutter einfach mit den Kindern zweihundert Kilometern wegziehen lässt. Ebenso albern wäre die Behauptung, dass Frauen im Berufleben die männliche Karriere gefährden

Selbstverständlich kann ein Mann sich heute nicht mehr pauschal darauf verlassen, dass er sich gegen eine gleichqualifizierte weibliche Bewerberin durchsetzt.  ebenso wie eine Mutter nicht mehr Blind vermuten kann, dass sie den Vater ihrer Kinder einfach in die Wüste schicken kann. Aber darunter leiden eigentlich nur die, die sich bislang auf ihre Privilegien qua Geschlecht verlassen haben. Sich deshalb zum  komplett entrechteten Opfer zu stiliesieren ist aber in beiden Fällen komplett unangebracht.

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