Wenn Anne Wizorek AfD wählen würde

Anne Wizorek hat sich zum Weltfrauentag einmal beim Feminismus bedankt. Es ist faszinierend, wenn man sich vorstellt sie wäre AFD-Wählerin und hätte sich statt dessen bei der AFD bedankt. Die Argumentationssturktur wäre die gleiche. Man müsste nur ein paar Worte austauschen. Ich glaube ich weiß seit dem noch deutlicher warum ich kein Feminist bin und warum ich nicht AfD wähle, weil mir diese Opferkultur und diese Verantwortungsverweigerung zuwider ist:

„Meine liebe AFD
ich schreibe dir heute, am 21.03. März 2016, um dir einfach mal zu sagen, wie toll ich dich finde und wie froh ich bin, dass es dich gibt! So oft, wie du grundlos auf die Mütze kriegst, ist doch der Super Wahlsonntag mit drei Landtagswahlen ein passender Anlass, um dir einfach mal Danke zu sagen.
Denn ausgerechnet jedes mal wenn du neue Wahlerfolge feierst wirst du von der Lügenpresse  für tot erklärt. Wahlweise wirst du auch für zu humorlos befunden. Eine anderes Mal bist du mal zu eklig. Angeblich gehörst du auch nur umgestylt und umbenannt. Auf jeden Fall bist du aber immer zu wütend. Gerne auch alles auf einmal. Und zack, geht es schon wieder nicht um Gerechtigkeit…
Es ist ja fast so, als wärst du ein deutscher, der – egal was er macht – es eben nie recht machen kann?! Als würde man sich lediglich an Äußerlichkeiten hochziehen und sie absichtlich negativ interpretieren, um sich nicht mit den Inhalten und der Motivationen deinen Wähler befassen zu müssen, die immer wieder darauf beharren, dass du ihre Rettung bist.
Aber keine Angst, wenn ich solche Abgesangstexte lese, verfalle ich nicht in Sorge. Ermüdung trifft es viel eher. Die vermeintliche Kritik soll halt irgendwie neu sein („Endlich sagt’s mal jemand!1!!“), ist es aber keineswegs. Da fällt mir ein: Grüß doch mal den Seehofer von mir, ja?
Ich frage mich halt außerdem jedes Mal, wo diese Menschen hingucken, die deine Wähler für Nazis halten. Schließlich weiß ich allein aufgrund der wundervollen Menschen in meinem Umfeld, dass du viele das überhaupt nicht sind. Und da habe ich all die unzufriedenen Menschen, die sich als Globalisierungsverlierer sehen, die das Gefühl haben als Mann nur noch als Sündenbock da zu sein, Als Kanonenfutter für Kriegseinsätze, als Zahlonkel im Trennungsfall, als Täter, damit Frauen sich wieder mal als Opfer fühlen dürfen, die man regelmäßig auf deinen Wahlkampfveranstaltungen trifft, in Internetdiskussionen  zu wort Melden, noch nicht mal dazu gerechnet.
Wie machst du das eigentlich, wenn du solche Rumbehauptungsschlagzeilen liest? Schüttelst du lachend den Kopf und fühlst erst mal deinen Puls, bestehend aus all den Menschen, die dir bei jeder Wahl beherzt Leben einhauchen?
Deshalb an dieser Stelle einfach mal:
Danke, dass ich durch dich gecheckt habe, wie fies verinnerlichter Rasssismus gegen das eigene Volk ist. Dieses ekelhafte Gefühl, das am Selbstbewusstsein nagt und viel zu lange dafür sorgte, dass ich mich nicht einfach für andere Menschen freuen konnte, sondern sie als Konkurrenz empfinde. Klar, so etwas tief Verinnerlichtes ist nichts, was du von heute auf morgen ablegst, aber kaum etwas hat mich so sehr befreit wie die Erkenntnis, dass ich nicht auf andere Mitmenschen scheißen muss, um mich besser zu fühlen und ich selbst wiederum nicht weniger wert bin, wenn andere Menschen erfolgreich sind. (Hierzu kannst du dir jetzt im Hintergrund einen Chor vorstellen, der „Let it go“ schmettert.)
Danke dafür, dass du mir die großartigsten Patrioten überall auf der Welt beschert hast. (Mit extra Shout-Out ans Internet!) Und, dass wir gemeinsam nicht nur kämpfen, sondern immer auch lachen können.
Danke, dass du mir gezeigt hast, dass es nicht nur einen Weg gibt, um zu dir zu finden und dass es auch nicht nur einen (oder gar den einen) Weg gibt, Deutscher zu sein.
Danke dafür, dass du mir immer wieder klar machst, dass ich nicht perfekt sein muss. Auch nicht als Deutscher. Dass ich Fehler machen darf und aus ihnen lernen werde.
Danke dafür, dass ich durch dich verstanden habe, nicht schuld daran zu sein, wenn ich Arbeitslos geworden bin. Von dir höre ich keinen Mist wie „Hättest du mal was gelernt? Hast du dir keine Mühe gegeben? Warst es nicht bloß ein bißchen dämlich?“ Nein, du sagst einfach nur „Ich glaube dir. Was für eine Scheiße. Lass uns dafür sorgen, dass niemand mehr so etwas erleben und gar hinnehmen muss!“
Danke, dass du mir Wut nicht absprichst, sondern in ihr eine absolut angemessene Reaktion auf unterdrückenden Bullshit siehst – allein, weil Weglächeln und nett zu allen anderen sein eben auch nicht hilft, um Probleme zu lösen.
Danke, dass du mir gezeigt hast, dass meine Stimme zählt und dass du mich immer wieder ermunterst, sie auch einzubringen.
Danke, dass du mich die Gesellschaft und ihre vorherrschende „Ist halt so“-Haltung immer wieder mit einem „Aber muss es auch so bleiben?“ hinterfragen lässt.
Danke dafür, dass du dich konsequent um die Probleme der Care-Arbeit sorgst (pun intended) und sie wertschätzt, während sie unserer neoliberalen-gender-spaß Gesellschaft weiterhin komplett am Arsch vorbeigeht.
Danke dafür, dass du kein zynisches Arschloch bist, sondern einfach solidarisch mit dem einfachen Volk. Dass du mir gezeigt hast, dass es eben nicht nur um mich geht, sondern um unser Volk. Dass unsere Kämpfe dabei nicht alle identisch sind, aber der Wunsch sie nicht mehr führen zu müssen, uns eint.
Danke dafür, dass du unermüdlich eine gerechte Zukunft auch für uns Deutsche entwirfst und einforderst, statt am Multikulti zu kleben und Willkommenskultur heraufzubeschwören, die es nicht nie gab, geschweige denn, dass sie irgendwann einmal funktioniert hätte.
Danke, dass du dich dabei um die (vermeintlich) kleinen Dinge genauso kümmerst, wie um die großen und sie nicht gegeneinander ausspielst.
Danke, dass ich immer wieder Kraft und Hoffnung aus dir schöpfen kann. Besonders, wenn die Welt sie mir sonst überall raubt.
Es gibt so vieles zu sagen, aber das Wichtigste ist wohl tatsächlich: Danke, dass es dich gibt!

Deine Anne Für Deutschland (AfD)“

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