Sexual Harassment: Ein Hype wissenschaftlich betrachtet

Es ist schön, dass nicht bei jedem Internet-Hype jeder gleich wieder auf den Mitleidszug aufspringt und in dieses Geheule verfällt, wie schwer es auch heute noch für Frauen sei unbelästigt durch eine Strasse zu gehen, nur weil eine Marketingfirma versucht mit einem Cliche-Videos die Spendengelder für eine Anti-Harassment-Organisation anzukurbeln. Während alle „renommierten“ Zeitungen im Internet blindlings den 27. Aufguss einer mittlerweile wirklich recht überflüssigen Sexmismusdebatte lostreten wollen hat Kendra Vaculin mal die „wissenschaftliche“ Forschungsmethode-Methode hinterfragt, mit der das virale Internetvideo „10 Hours of Walking in NYC as a Women“ versucht zu beweisen was Frauen doch für arme Hascherl sind, die auch im Jahr 2014 nicht alleine die Straße entlang gehen können ohne dumm von der Seite angesprochen zu werden.

Sie analysiert einfach sehr trefflich wie wertlos beziehungsweise rassistisch die Aussage des Videos ist.

Da zeigt sich mal wieder was der deutsche Qualitätsjournalismus wert ist, der aus reißerischen Pressmitteilungen einer Marketingfirma bedeutungslose Nachrichten fabriziert, die vermutlich nur einen Zweck haben: Mit kontroversen Themen Clicks für die für die eigenen Werbeeinnahmen zu generieren. Und das geht mit der Verbreitung von recht haltlosen Thesen offensichtlich besser, als mit der nüchternen Analyse eines viralen Internetphänomens, welche zu dem Ergebnis kommt „The filmmakers claim to have shot this video while walking the streets of Manhattan for 10 hours, but over half of the shots in the video are actually taken from just one street, namely 125th St. in Harlem. It makes one wonder whether the filmmakers intentionally chose to concentrate their filming on a couple of neighborhoods, or if, out of many locations, these are the only places where harassment occurred.“ oder wie David Chen auf Twitter zitiert wird: „This video was designed to “go viral” and a video that started with a few white guys doing the catcalling might not have.“

Letztendlich ist es ähnlich wie bei dem Video die Unterdrückte Mehrheit. Mit Haltlosen Sexismusvorwürfen und einer Fütterung von latenten rassistischen Vorbehalten kann man halt mehr Aufmerksamkeit generieren, als mit intelligenter Aufklärung.

Mich persönlich würde auf jeden Fall brennend die Frage interessieren, wie die hier um Spendengelder werbende anti-harassment NGO, “Hollaback,” plant mit ihren durch das Video generierte Spendengeldern, zukünftig zu verhindern, dass Menschen mit schlechter Kinderstube künftig die armen Hascherl dumm von der Seite anlabern, wenn Frau mal wieder durch eine unangemessene Wohngegend läuft? Durch Lobby-Arbeit ein Gesetz forcieren, welches Männern, die solch schreckliche Dinge tun, ins feministische Umerziehungslager schickt? Durch Aufklärungsarbeit nach dem Motto „Lieber sozial benachteiligter Mitbürger mit Migrationshintergrund: nicht jede Frau mag von dir dumm von der Seite angelabert werden?“

The Factual Feminist hat das Problem so einer Gesetztesidee schön auf den Punkt gebracht: „Strassen der Großstadt sind öffentliche Plätze und keine Privatgrundstücke, auf denen rigide Eigentümerregeln gelten. Das recht auf freie Meinungsäusserung gilt auch hier. … Professorin Laura Beth Nielsen sagt deutliche ihre Vorstellung. Sie will ein Gesetz, welches “unerwünsche anbaggern oder aktivitäten welche sich in in öffentlichen Räumen mit sexueller ausrichtung an einzelne Personen richtet  verbieten assen,” weil es die Gleihberechtigung verletzt”

Ein „How are you doing“ als Catcalling zu bezeichnen entwertet diesen Begriff leider völlig. und bereitet somit Frauen, die wirkliche sexuelle Aufdringlichkeit zu erdulden haben eher Probleme. Ich hätte dann gefühlte 90% der Amerikaner bei meinem Urlaub als Belästiger empfinden und nach so einem Gesetz bestrafen lassen müssen. Hinzu kommt gerade bei solchen Profanfällen natürlich auch, (wie schon damals bei der Diskussion um Frau Himmelreich und Herrn Brüderle) das, was ich den „George Clooney“-Faktor nenne: Wenn George Clooney dieses „Hi“ sagt, würden gefühlte 99 Prozent der weiblichen Bevölkerung über 30 nicht mehr von Harassment sprechen, sondern von einem aufregendem Erlebnis. Sie würde es vermutlich entsprechend dämlich finden, wenn es Herrn Clooney per Gesetz verboten wäre wildfremden Frauen auf der Straße ein „how Are you“ entgegen zu werfen.

Auch der obdachlose Joe, der auch bereits fast 5 millionen Klicks auf YouTube hat, wo er zeigt, wie er sich nicht wenig erfolgreich täglich eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, demonstriert anschaulich, dass es wohl nicht jede Frau pauschal als Belästigung empfindet auf der Strasse angesprochen zu werden. .

Insofern sind diese Diskussionen immer sehr von heuchlerischen Doublestandards geprägt.

Ich vermute das es bei “Hollaback” eher wie bei der Ice-Bucket-Challenge abläuft: Die einzigen, denen solche herzergreifenden Geschichten wirklich helfen, sind vermutlich die Vorsitzenden dieser NGO, die sich auch in den nächsten Jahren Ihrer außerordentlichen Gehälter sicher sein können.

Dass 59% des zehn stündigen Spazierganges offensichtlich in Harlem stattgefunden hat, würde vermutlich eher nahelegen, den Frauen die häufig in sozialen Brennpunkten unterwegs sind, sich vielleicht ein etwas dickeres Fell zu zulegen, vor allem angesichts der Tatsache, dass in den zehn Stunden ihres Spazierganges offensichtlich nur zwei Männer zu finden waren, die eine gewisse Penetranz aufgebracht haben (einer weil er 5 Minuten  neben ihr her geht und einer, der ihr wirklich ein Ohr ab kaut).

Für mich als Mann drängt sich hier leider wieder mal etwas der Eindruck einer Heulsusen-Mentalität auf und dass Negative an dieser Heulsusen-Mentalität ist eben leider ebenso wie bei der #Aufschrei Diskussion und der YesMeansYes-Discussionen ist, dass sie leider wenig hilfreich ist, bei Männern Verständnis für Frauen in Problemsituationen zu erzeugen. Denn wenn ein „Hi“ eine sexuelle Belästigung ist, dann ist der Begriff leider ziemlich wertlos. Ebenso wie die Diskussion um YesMeansYes, wenn ein einvernehmlicher Sexakt plötzlich eine potentielle Vergewaltigung wird, weil über das männliche Stecken der Zunge in das rechtes Ohr der Frau keine Absprache bestand und es dem Mann aber in der Hitze des Gefechtes doch passiert ist. Die Frau kann hier plötzlich genau genauso „Vergewaltigung“ schreien, wie eine Frau, die im Parkhaus von einem Unbekannten brutal missbraucht wurde und damit wird Frau sich nicht Wundern müssen, wenn Mann oft wenig Verständnis für ihre Probleme hat. Selbst die Frau, die diese unangenehme Situation im Parkhaus erlebt hat, wird das YesMeansYes-Gejammere der Studentin vermutlich als Luxusproblem sehen und das eher als Entwertung ihrer eigenen Erfahrung empfinden, wenn ihre „Vergewaltigung“ statistisch den gleichen Stellenwert bekommen soll.

Wenn Frauen wie Emma Watson Männer auffordert, den Frauen bei ihrem Streben nach Gleichberechtigung zu helfen, dann sollte sie vielleicht erst mal einigen ihrer Geschlechtsgenossinen sagen: „Werdet erwachsen und übernehmt erst mal Verantwortung für eure Entscheidungen und Handlungen. Und überlegt euch mal wie ihr künftig Souveräner mit Alltagssituationen umgeht“, denn wenn ein Mann in solchen Situationen, wie sie der „armen“ Frau in dem Viralen Video widerfahren sind, anfangen würde über Sexual Harassment zu klagen, dann würden Mann wie Frau ihn vermutlichen für eine Memme halten und nicht beiseite springen und den bösen Frauen sagen „hört mal auf den armen Kerl so fertig zu machen“. Und dass diese „sexuelle Belastigüng nicht nur Frauen passiert, wie es Frida Turm in der Zeit als unvorstellbar behauptet („Die Situation, wie Shoshana Roberts sie erlebt hat, ist mit umgekehrten Vorzeichen völlig undenkbar: Ein Mann, der durch die Straßen läuft und von Frauen verfolgt, bedrängt, bewertet wird – egal wie wenig Interesse er signalisiert.“) demonstriert dieses nette Antwortvideo:

Gerade das sind die Doublestandards die aus unserer Gesellschaft eine sexistische machen.

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