Mehrheit mit Realitätsverweigerung – Majorité refus la réalité

Na Toll, nachdem das gerne mit nackten Frauen auf dem Titelbild werbende Magazin im letzten Jahr schon seine feministische Ader erkannt hat und aus einem lächerlichen Aufhänger eine Sexismus-Debatte initiiert hatte, kann die Redaktion des Sterns auch dieses Jahr nicht an sich halten und benutzt dieses Mal als Aufhänger den YouTube-Film „die unterdrückte Mehrheit“ .

Abgesehen davon, dass der Stern seinen alten Traditionen schon dadurch fröhnt, nicht etwa das Bild der Vergewaltigung als Screenshot zu wählen, sondern das der barbusigen Joggerin, ist das größte Problem des Artikels eigentlich schon der Titel des: „Wenn Frauen die Welt regierten- Wie Männer“. Letztendlich ist die Behauptung das Männer im 21 Jahrhundert so regieren wie der Film es unterstellt Hahnebüchen wie nur irgendwas. Welche Männer „regieren“ diese Welt denn so? Welcher Mann, Arbeitgeber oder Machthaber zwingt denn heutzutage eine Frau zuhause bei ihrem Kind zu bleiben oder keine sinnvolle Ausbildung zu machen, um auf eigenen Füßen zu stehen? Und wenn heutzutage ein Nachbar mit dem Spruch kommt „Da muss ich wohl mit ihrem Mann drüber reden“ weil er die Frau nicht ernst nimmt, so ist das keine Herrschaft des Patriarchat sondern eine Unfähigkeit der Frau mit solch einer (inzwischen nebenbei bemerkt inzwischen vermutlich eher vom ausgestorbenen bedrohten) Respektlosigkeit umzugehen. Ich bin auf jeden Fall ziemlich sicher, das meine Tochter das Selbstbewusstsein hat einfach zu sagen. „Tut mir leid, der ist ähnlich intelligent wie ich. Ich bezweifle dass sie da auf ihrem Niveau glücklich werden.“ Und so lässt sich der Ganze Film an seinen Chliches abarbeiten, über die sich jede selbstbewusste Frau eigentlich noch mehr ärgern müsste, als die Männer, die mal wieder in die pauschale Arschlochposition gerückt werden und Verständlicherweise mit Abwehr reagieren.

Wenn man dann noch dem Link zum Women’s Blog des Guardian folgt und liest: „She says that the film „came from a personal experience. I was a woman. I was 30 years old. And my husband didn’t believe that I was – I was not assaulted, but I got remarked on in the street. Very often. He said, ‚Wow. That’s incredible.‘ His surprise was the beginning of the idea for me.“ Dann wird vielleicht klar warum Männer bei solch einer brachialen „Männer sind doch echt scheisse und wenig Einfühlsam“-Keule die Ohren zuklappen wie mein Neufundländer, wenn er eine Hündin mit Standhitze sieht. Wenn in der Diskussion über Sexismus und männliche Unterdrückung der Frauen Erlebnisse wie das kürzlich in der Zeit von einer Lehrerin zu lesende, vorgetragen werden (um zu rechtfertigen, warum der #aufschrei in die Schulen getragen werden muss):

“Vor ein paar Jahren saß ich in einem Zugabteil allein mit einem Soldaten. Er sagte: Wir können doch jetzt hemmungslos rumknutschen, dann kommt bestimmt niemand mehr ins Abteil. Ich habe ihn zwar abwehren können, aber nicht selbstbewusst und gerade heraus. Und ich habe mich schlecht gefühlt.”

Dann wird Sexismus nicht von Männern lächerlich gemacht, sondern durch solche Frauen, denn entweder hat die gute Frau das Bedrohliche an dieser Situation unterschlagen, oder nicht der missglückte Annäherungsversuch des Soldaten war das Problem, sondern die Unfähigkeit der guten Frau mit dieser Situation souverän umzugehen.

Wenn Frauen bei solchen Erlebnissen gleich Sexismus schreien (ebenso wie die Regisseurin dieses Filmes wenn sie sagt „I was not assaulted, but I got remarked on in the street.“ und glaubt darauf einen solchen Schmonzes machen zu müssen, um zu demonstrieren wie sehr Frauen auch heute noch unterdrückt werden), dann müssen sich diese Frauen nicht wundern, dass liberale Männer und selbstbewusste Frauen erst mal genervt die Augenbrauen hochziehen oder mit den Augen rollen, als wollten ihre Kinder ihnen mal wieder erzählen, das letzte Stück Schokolade hat wohl die Zahnfee mitgenommen.

Letztendlich ist es diese Skandalisierung solcher Profansituationen, die mehr damit zu tun haben, dass es Menschen mit „besserer“ und „schlechterer“ Kinderstube gibt als  mit patriarchaler Unterdrückung, die das Gehör der Öffentlichkeit für jene verstopfen, die wirklich etwas erdulden müssen (und die gibt es bei beiden Geschlechtern zuhauf, denn Sexismus und Chauvinismus hat mitlerweile nichts mehr Patriachaler Unterdrückung zu tun).

Wie ich schon zur Sexismusdebatte des letzten Jahres und den #Aufschrei gesagt habe:

„Wenn ich mich als Verschwörungstheoretiker in Stellung bringen wollte, würde ich vermuten, dass diese aufgebauschte Sexismus-Debatte von den sexistischen alten Herren initiiert wurde, um vom eigentlichen Thema abzulenken. In zwei Wochen kann man dieses Thema aufgrund der Belanglosigkeit des Aufhängers und aufgrund der selbst stilisierten Opfer, die leider zu Hauf mit ähnlichen Belanglosigkeiten ins Scheinwerferlicht kriechen, selbst als gleichberechtigter Mann nicht mehr hören.“

Und wenn es der Regisseurin nur darum ging Männern ein Gefühl dafür zu geben wie es ist vergewaltigt und sexuell missbraucht zu werden, dann muss sie sich leider auch von einem Mann zeigen lassen wie das geht, denn letztendlich ist John Boorman in „Deliverance – Beim Sterben ist jeder der Erste“ da sehr viel effektiver gewesen:

Wie gesagt in den 50er 60ern wäre dieser Film vielleicht mutig oder aufrüttelnd gewesen, in den Siebziger vielleicht nochmal als Betonung der Forderung nach weiblicher Gleichberechtigung und Empathieförderung bei Männern auch angebracht, aber spätestens seit der 90er ist so ein Film eher überflüssig und 2014 ist das einfach nur Verschwendung von Filmfördermitteln, durch Frauen mit Realitätsverweigerung,

Offensichtlich fällt es einigen Feministinnen schwer sich von ihrer angestammten Opferrolle zu lösen. Diese „Männlichen Arschlöcher“ die dieser film so zelebriert, sind heutzutage kein größeres Problem, als die weiblichen Arschlöcher (vor allem weil die gesellschaftliche Ächtung der männlichen Arschlöchern auch von den Männern in Machtpositionen unterstützt wird), aber für Frauen scheint es auch heute nicht einfacher zu sein sich der eigenen Verantwortung durch Schuldzuweisung und der Unterstellung von Unterdrückung durch das andere Geschlecht zu entledigen. Es gibt heute kein Gesetz mehr durch welches eine Frau schlechter gestellt ist als ein Mann.

Jeder unverheiratete Vater im Sorgerechtsstreit wäre dankbar, wenn er gleiches behaupten könnte.

Ich glaube ich werde als nächstes mal eine Männliche Antwort zu diesem Film drehen. wo die Geschichte der fürsorglichen Familienernährerin erzählt wird, die das Haus im Grünen finanziert und aus heiterem Himmel von ihrem sich ungeliebt fühlenden Mann entsorgt wird, der bei seiner Gitarrenlehrerin einen zweiten Frühling erleben möchte, seine Frau vor die Tür setzt und sich mit den Kindern gemütlich sein Nachtrennungsleben von der entsorgten Mutter finanzieren lässt.

Ich verspreche das Drehbuch wird nur aus authentischen Dialogen zusammengesetzt, und wenn Frauen sich dann verunglimpft fühlen, ob so viel übelster Clicheeabarbeitung, dann setzte ich mich mit einem zufriedenen Feministinnengrinsen hin und sage: „bei so vehementer Abwehrreaktion scheint der Film ja einen nerv getroffen haben. Die ganzen beleidigen Leberwurst Kommentare zeigen mir, dass ich recht hatte.

Moment.

Das habe ich doch sowieso immer.

Wenn mir meine selbstbewusste Tochter nicht gerade widerspricht.

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